Mittwoch, 8. Dezember 2004

Schockierendes Geheimdienst-Dokument: Weitere Fälle von Misshandlungen im Irak

  • Sonderkommando schlug Gefangenen ins Gesicht
  • Offenbar Folter vor den Augen von US-Militär-Agenten

Ein veröffentlichtes amerikanisches Geheimdienstpapier dokumentiert weitere Fälle von Misshandlungen irakischer Gefangener durch US-Soldaten. Mitglieder einer Spezialeinheit im Irak hätten Gefangenen vor den Augen von Agenten des US-Militärgeheimdienstes geschlagen und misshandelt, hieß es darin.

Das Papier wurde zwei Monate nach der Veröffentlichung von Fotos verfasst, die die Misshandlung irakischer Inhaftierter im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad zeigten. Die Geheimdienstmitarbeiter hätten zudem Gefangene mit Brandmalen und Blutergüssen gesehen, hieß es in dem Dokument, das der Chef des militärischen Geheimdienstes an das US -Verteidigungsministerium weitergeleitet hatte.

Zwei Geheimdienstmitarbeiter, die Inhaftierte in einem Gefangenen- Lager in Bagdad verhört hätten, hätten gesehen, wie Mitglieder des Sonderkommandos "einem Gefangenen ins Gesicht schlugen, bis er medizinischer Hilfe bedurfte", so der Bericht. Die Geheimdienstmitarbeiter seien dann aufgefordert worden, den Raum zu verlassen.

Ein Zeitpunkt für den Zwischenfall wurde nicht genannt. Die Spezialeinheit habe die Geheimdienstmitarbeiter bedroht und aufgefordert, die Zwischenfälle nicht zu melden. Außerdem seien sie angewiesen worden, das Gelände des Lagers nicht ohne Erlaubnis zu verlassen.

Eine Stellungnahme des US-Verteidigungsministeriums zu dem Dokument lag zunächst nicht vor. Es hatte jedoch bereits kürzlich eingeräumt, dass es im Irak zu Fällen von Misshandlung durch Mitglieder von US-Spezialeinheiten gekommen sei.

Unterdessen haben Aufständische eine Polizeistation in der irakischen Stadt Samara überfallen und einen Polizisten und ein Kind getötet. Das Kind sei in die Schusslinie geraten, sagte ein Polizeisprecher. Bei der Explosion einer am Straßenrand deponierten Bombe wurden in der Früh in Bagdad sechs irakische Zivilpersonen verwundet. (apa)

8.12.2004 17:36