Sonntag, 12. Dezember 2004

ETA-Terror? Bernabeu-Stadion in Madrid nach Bombendrohung evakuiert!

  • 70.000 Besucher mussten Sportstätte verlassen
  • Anonymer Anrufer warnte vor Sprengsatz

Wegen einer Bombendrohung sind am Sonntagabend rund 70.000 Menschen während des Fußballspiels der "Primera Division" Real Madrid gegen Real Sociedad aus dem Bernabeu-Stadion in Madrid evakuiert worden. Zuvor hatte ein anonymer Anrufer bei der baskischen Zeitung "Gara" gemeldet und erklärt, dass sich in dem Stadion eine Bombe befinde. Die Begegnung der beiden Erstligisten wurde beim Stand 1:1 abgebrochen. Der Alarm wurde um 21.45 Uhr wieder aufgehoben.

Die Bombe hätte laut Ankündigung um 21.00 Uhr hochgehen sollen. Im Fernsehen war in einer Live-Übertragung zu sehen, wie in der vorletzten Minute des Spiels von Real Madrid gegen Real Sociedad aus der baskischen Stadt San Sebastian (Donostia) die Polizei den Schiedsrichter informierte, unmittelbar darauf die Spieler das Feld verließen und die Zuschauer zum Verlassen des Stadions aufgefordert wurden. Zu einer Explosion kam es nicht. In Verdacht ist die Untergrundorganisation ETA.

In den oberen Rängen der Nordkurve habe die Polizei eine verdächtige Sporttasche entdeckt, meldete der Rundfunk. Ob sich darin tatsächlich eine Bombe befand, stand zunächst nicht fest.

Um die Räumung zu beschleunigen, durften die Fußballfans auch über das Spielfeld gehen. Gegen 20.50 Uhr MEZ waren die Tribünen leer, nur auf dem Feld waren noch Ordnungskräfte zu sehen. Gewöhnlich gibt die baskische ETA anonyme Bombenwarnungen an die Zeitung "Gara".

Sicherheitsalarm aufgehoben
Der Sicherheitsalarm ist um 21.45 Uhr wieder aufgehoben worden. Die Polizei habe trotz intensiver Durchsuchungen keinen Sprengsatz gefunden, sagte ein Sprecher der Sicherheitskräfte in der spanischen Hauptstadt. Auch Spürhunde seien im Einsatz gewesen.

Insgesamt seien 17 Taschen gefunden worden, die Zuschauer bei der Evakuierung des Stadions hatten liegen lassen. Die Polizei hob die Sicherheitssperre rund um das Stadion Santiago-Bernabeu und für die Spielstätte selbst um 21.45 Uhr MEZ wieder auf.

Die Spieler der Vereine Real Madrid und Real Sociedad, deren Begegnung wegen des Bombenalarms in der 89. Minute abgebrochen worden war, durften wieder zurück in die Umkleiden; auch die Mitarbeiter von Real Madrid konnten in ihre Büros zurückkehren.

Zwei ETA-Anschlagsserien in zehn Tagen
Die Untergrundorganisation hatte in den vergangenen zehn Tagen zwei Anschlagsserien verübt, bei denen insgesamt fünf Menschen leicht verletzt wurden. Am Sonntag waren zwei selbst gebaute Sprengsätze vor zwei Unternehmen im spanischen Baskenland explodiert, ohne dass jemand verletzt wurde. Die örtlichen Behörden machten die ETA dafür verantwortlich.

Das Bernabeu-Stadion ist bereits am 1. Mai 2002 Ziel eines ETA-Anschlags gewesen. Bei der Explosion einer Autobombe während des Halbfinales zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona in der Champions League waren damals 17 Menschen leicht verletzt worden.

Die Arena taucht aber auch als eines der Attentatsziele von islamistischen Terroristen auf, die im November in Spanien gefasst worden waren. (apa/red)

12.12.2004 22:46