Donnerstag, 9. Dezember 2004

Medizin-Nobelpreis 2005: Australisches Bakterien-Forscherteam ausgezeichnet

  • Marshall und Warren untersuchen Magenkeim
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Den Nobelpreis für Physiologie und Medizin 2005 erhalten zwei australische Forscher. Die Auszeichnung geht an den Pathologen Robin Warren (68) aus Perth und an den Mikrobiologen Barry Marshall (54) von der University of Western Australia. Das gab das Nobelpreiskomitee am Montag in Stockholm bekannt. Den Wissenschaftern wurde der Preis für jene Arbeiten zuerkannt, mit denen sie die Rolle des Magenkeims Helicobacter pylori bei der Entstehung von Gastritis und Magen- sowie Zwölffingerdarmgeschwüren belegten.

Warren arbeitet als Pathologie in Perth. Er beobachtete zunächst kleine Keime mit schlangenförmigen Fortsätzen, die bei 50 Prozent der Patienten, bei denen man Biopsie-Proben gemacht hatte, den unteren Teil des Magens bewohnten. Der Wissenschafter - so das Nobelpreiskomitee - machte damit die entscheidende Beobachtung, dass die Entzündungen im Magen immer in der Magenschleimhaut in nächster Nähe zu den Bakterien entstanden.

Marshall interessierte sich als junger Mikrobiologe für die Forschungsresultate seines nunmehrigen Nobelpreis-Kollegen und führte eine Biopsie-Studie bei 100 Magengeschwür-Patienten durch. Nach mehreren Versuchen gelang es dem Wissenschafter, die bis dahin unbekannten Keime im Labor zu kultivieren. Sie erhielten später den Namen Helicobacter pylori (H. pylori).

Gemeinsam gelang den Forschern schließlich der Nachweis, dass H. pylori praktisch bei allen Patienten mit chronischer Gastritis sowie wiederkehrenden Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren vorhanden war und die eigentliche Ursache für deren Entstehen darstellte. Das machte den Weg frei für eine völlig neue Therapiestrategie: Eine Magenschutz-Behandlung mit säurehemmenden Medikamenten zusammen mit einer wirksamen Antibiotika-Therapie zur Beseitigung (Eradikation) des Keimes.

Das Nobelpreiskomitee: "Dank der Pionierleistung von Marshall und Warren sind peptische Ulzera nicht mehr eine chronische und oft schwer belastende Erkrankung, sondern eine Krankheit, die durch eine kurze Antibiotika-Therapie und Medikamente zur Blockade der Magensäure-Produktion geheilt werden kann." Davon haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten viele Millionen Menschen profitiert.

Warren arbeitete 1968 bis 1999 am Royal Perth Hospital als Pathologe. Marshall ist am Helicobacter pylori-Forschungszentrum in Nedlands (Western Australia) als Mikrobiologe tätig.

Die Auszeichnung ist - wie im Vorjahr - mit zehn Millionen schwedischer Kronen (rund 1,1 Mio. Euro) dotiert. 2004 ging die begehrte Auszeichnung an die US-Forscher Richard Axel und Lind B. Buck. Wie wurden für ihre Entdeckungen auf dem Gebiet der "Geruchsrezeptoren und des Geruchssinnes" geehrt.(apa/red)

9.12.2004 22:24