Donnerstag, 9. Dezember 2004

Brüssel bleibt ein ferner Ort: Österreicher
"anhaltend skeptisch" gegenüber der EU

  • Lagerbildung: Jeweils 32 % zufrieden bzw. unzufrieden
  • Positivere Einstellung gegenüber dem Euro

Die Österreicher sind anhaltend skeptisch gegenüber der Europäischen Union - so heißt es in einem Studienbericht der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. Besonders so genannte Modernisierungsverlierer, wie Arbeitslose, ältere Menschen und Arbeitnehmer mit geringer Qualifikation betrachten die Politik aus Brüssel mit Misstrauen.

Die Gesellschaft für Europapolitik will im kommenden Jahr mit einer Reihe von Veranstaltungen der EU-Skepsis entgegen arbeiten. "Die Identifikation mit dem neuen Europa befindet sich in Österreich noch im Anfangsstadium und ist nicht gefestigt", schreibt Studienautor Franz Birk. Politiker und die Medien würden das Misstrauen der Menschen gegenüber der EU durch "unsachliche und populäre Argumente" nähren. Sei die Einstellung zur Union insgesamt "relativ negativ", so gebe es eine positivere Einstellung gegenüber der europäischen Währung, dem Euro.

"Das bemerkenswerteste Exempel an dauerhafter Meinungsbeeinflussung ist wohl der Sanktionen-Mythos, der selbst noch bei überzeugten Europäern Glaubensgut ist", befindet der Soziologe Ernst Gehmacher. Man könne auch nicht sagen, dass die meisten EU- Skeptiker der älteren Generation angehören würden. Der Populismus gegen die EU sei nicht auf eine Partei reduziert, aber es sei nicht zu leugnen, dass die meisten EU-Kritiker FPÖ-Wähler seien.

Der freie Personenverkehr, die gemeinsame Währung und die Friedenschance in Europa wird als positiv bewertet, die Preissteigerungen, die Belastung durch den Transitverkehr, sowie die zunehmende Kriminalität geht auf das Negativkonto. Bei der Frage nach der allgemeinen Zufriedenheit ergibt sich seit Jahren das gleiche Bild: so äußern sich 32 Prozent aller Befragten "zufrieden/sehr zufrieden" mit der Union, ebenso 32 Prozent "unzufrieden bzw. sehr unzufrieden". (apa)

9.12.2004 11:20