Donnerstag, 9. Dezember 2004

Ausschreitungen bei Studenten-Demo in Wien: Versuch, ins Parlament vorzudringen

  • Zentrale der ÖVP wurde mit Eiern und Obst beworfen
  • Laut Polizeiangaben nahmen 1.300 Studenten teil

Bei der Studentendemo gegen die Uni-Novelle in Wien kam es am Donnerstag Nachmittag zu Ausschreitungen vor dem Parlament. Jugendliche versuchten, in das Parlament vorzudringen, Einsatzkräfte hinderten sie daran. Daraufhin zogen die Demonstranten zur nahe gelegenen ÖVP-Zentrale, um dort ihrem Unmut freien Lauf zu lassen und das Gebäude mit Eiern und Obst zu bewerfen.

Laut Polizeiangaben protestierten 1.300 Studenten in der Wiener Innenstadt gegen die Abschaffung der Direktwahl der Bundesvertretung der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) und die finanzielle Schlechterstellung dieses Gremiums. Die von der ÖH-Spitze erhoffte Teilnehmerzahl wurde damit deutlich unterschritten. Die Proteste richten sich nicht nur gegen den am Freitag erwarteten Nationalratsbeschluss zur Novelle des Hochschülerschaftsgesetzes (HSG), sondern auch ganz allgemein gegen die Politik der Regierung.

So stand auf Transparenten etwa "Wer die Regierung kritisiert, wird abserviert". Die Bildungspolitik werde zunehmend unsozialer, kritisierten Mitglieder von Uni-Vertretungen während Ansprachen. Im Mittelpunkt der Kritik stand einmal mehr Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V), ihr Rücktritt wurde auf Transparenten und in Reden mehrfach gefordert.

Auch wenn auf der Demonstration noch lautstark die Abänderung der Novelle zum HSG gefordert wurde, äußerten Mitglieder der ÖH-Spitze gegenüber der APA wenig Hoffnung auf ein Einlenken der Regierungsparteien. Laut Patrice Fuchs vom ÖH-Vorsitzendenteam setzt man nun vielmehr auf eine von der SPÖ einzubringende Klage beim Verfassungsgerichtshof gegen die Novelle.

Vor allem das Wahlrecht weise mehrere Lücken und Widersprüche auf, die verfassungsrechtlich bedenklich seinen. "Nicht geklärt ist etwa die doppelte Wahlmöglichkeit von Studierenden, die an mehreren Unis eingeschrieben sind", sagte Fuchs. Die Klage werde aber auch beim Eingriff des Gesetzes in die Finanzgebarung der Hochschülerschaft ansetzen, sagte die Studentenvertreterin.
(apa/red)

9.12.2004 22:52