Ausweg aus der Bildungs-Misere? Gehrer will Geld für Schulen nun besser einsetzen
- Schüssel empfiehlt: "Zu Weihnachten Bücher schenken"
- PLUS: Das sagt die heimische Presse zur PISA-Studie!
·Das sagt die Presse
zur PISA-Misere
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Die Suche nach Lösung der österreichischen Bildungs-Misere geht weiter: Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer wollen die Mittel im Schulbereich nach den Ergebnissen der PISA-Studie nun besser einsetzen. Österreich zähle zu den Ländern mit den höchsten Ausgaben, müsste bei Leistungsvergleichen also eigentlich vorne liegen, so Gehrer. Als schnellen "konkreten Einsatz" empfahl Schüssel den Eltern, ihren Kindern zu Weihnachten Bücher zu schenken. Unterdessen mehren sich die Stimmen für die Einführung der Gesamtschule.
Österreich habe bisher das Geld für den Schulbereich "anscheinend" nicht richtig eingesetzt, meinte Gehrer. Die Mittel sollten verstärkt in die Qualität des Unterrichts und die Förderung der Schwächeren investiert werden. Außerdem müsse man in der Qualitätssteigerung und in der Leseförderung "einen Zahn zulegen". Vizekanzler Hubert Gorbach (F) forderte, dass die Beherrschung der Unterrichtssprache Deutsch Voraussetzung für die Teilnahme am Volksschulunterricht sein soll, Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer (F) hält eine verpflichtende Lehrerfortbildung für "unbedingt notwendig".
Kein Unterrichtsausschuss vor Weihnachten
Große Eile herrscht allerdings nicht. Der Vorsitzende des parlamentarischen Unterrichtsausschusses, ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon, erteilte der Forderung der SPÖ nach einer Sitzung des Gremiums noch vor Weihnachten eine Abfuhr. "Damit würden wir genau das tun, was jetzt nicht angebracht ist: Schnellschüsse ins Blinde hinein abgeben, ohne überhaupt alle Analysen auf dem Tisch zu haben", so Amon.
SP-Niederwieser will baldigen Reformdialog
"Taten statt Worte, rasche Entscheidungen statt aufwändige Inszenierungen", fordert hingegen SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser. Es gebe keinen Grund, bis zum geplanten Reformdialog zur Bildung Ende Jänner zu warten. Er sieht genügend Bereiche, in denen sofort Schritte gesetzt werden könnten: etwa den Ausbau ganztägiger Schulformen, die Senkung der Klassenschüler-Höchstzahlen auf 25, ausreichend Plätze in berufsbildenden mittleren und höheren Schulen oder Standortsicherung für Schulen im ländlichen Raum. In den vergangenen Jahren habe der Unterrichtsausschuss nur ein- bis zwei Mal pro Jahr getagt.
Kommt die Gesamtschule?
Morgenluft wittern die Befürworter einer Gesamtschule: Die Arbeiterkammer plädierte für eine gemeinsame Schule für die Grundausbildung mit individualisiertem Unterricht sowie ganztägigem bedarfsorientierten Angebot bis zum 14. Lebensjahr. Auch die Grünen, SPÖ-Familiensprecherin Andrea Kuntzl sowie die Bundesjugendvertretung und die Gewerkschaftsjugend traten dafür ein. Gehrer und Schüssel zeigten sich in dieser Frage allerdings zurückhaltend.
5,7 Prozent der Jugendlichen gehen gar nicht mehr zur Schule
Abseits von den für die PISA-Studie getesteten Schülern des Jahrgangs 1987 gibt es in Österreich zahlreiche Jugendliche des gleichen Alters, die von der Untersuchung nicht erfasst wurden, weil sie keine Schule mehr besuchen. Diese "Out-of-School"-Population beträgt nach Angaben des Leiters des PISA-Zentrums Österreich, Günter Haider, 5,7 Prozent des Altersjahrgangs und ist im internationalen Vergleich "ziemlich hoch". Andere Staaten lägen auf Grund der längeren Schulpflicht bei null und seien bei PISA tendenziell im Nachteil, weil diese Gruppe eher zu den schlechten Lesern gehöre, so Haider.
Bundesländer-Auswertung wird es nicht geben
Eine von zahlreichen Länder-Vertretern geforderte Bundesländer-Auswertung von PISA 2003 wird es in Österreich nicht geben. Für eine solche hätte nach Angaben Haiders die Stichprobe verdreifacht werden müssen.
(apa/red)
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