Montag, 6. Dezember 2004

PISA-Studie: Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller will einen Krisengipfel

  • Gehrer soll Vorschlag von Alfred Gusenbauer folgen
  • Gimpl: Reform nicht in ein bis zwei Legislaturperioden

Nach dem Vorliegen der Details der neuen PISA-Studie appellierte am Montag Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V), dem Vorschlag von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer zur Einberufung eines Krisengipfels zu folgen. Und Salzburgs Landesschulrats-Präsident Herbert Gimpl forderte eine große Bildungsreform statt des bisherigen Stückwerkes und anstelle von Schuldzuweisungen.

"Es geht hier um eine langfristige Weichenstellung von herausragender Bedeutung für die österreichische Gesellschaft und Volkswirtschaft", betonte Burgstaller gegenüber der APA. Die SPÖ habe nicht umsonst auf dem Parteitag ein Bildungsprogramm beschlossen, das sich an den positiven Erfahrungen Finnlands - der europäischen Nummer 1 - orientiere. Gehrer solle Gusenbauers "Kompetenzteam Bildung" mit Erwin Niederwieser und Josef Broukal arbeiten lassen. "Die ÖVP muss hier im Interesse Österreichs ihre ideologischen Scheuklappen zum Beispiel im Zusammenhang mit Ganztagsschulen ablegen", so die Landeshauptfrau.

Gimpl: Ganzheitliche Bildungsreform statt "Stückwerk"
Ein Ende der Schuldzuweisungen forderte der Salzburger Landesschulrats-Präsident Herbert Gimpl. Vielmehr stelle sich jetzt die Frage, ob man endlich eine ganzheitliche Bildungsreform wolle oder weiterhin nur "kleinschrittiges Stückwerk" wie bisher. Entscheide man sich für den großen Wurf, seien sicher alle bereit, an der Reform mitzuarbeiten, auch die Sozialdemokraten, so Gimpl im Gespräch mit der APA. Er machte aber keinen Hehl daraus, dass für ihn an einer Gesamtschule der Sechs- bis 14-Jährigen kein Weg vorbeiführe.

Reform nicht in ein oder zwei Legislaturperioden
Finnland und all die anderen Ländern, die bei der neuen PISA-Studie sehr gut abgeschnitten haben, hätten es vorpraktiziert: "Wer in der Bildung zu viel trennt, wird Qualität verlieren", meinte der Präsident. Er trete für eine gemeinsame Mittelstufe ein, bei der es eine "starke individuelle Differenzierung nach innen" geben solle.

Gimpl betonte auch, dass man sich bei einer großen Bildungsreform, die Österreich wieder nach vorne bringe, vom Denken in einer oder zwei Legislaturperioden verabschieden müsse. Finnland habe für seine Bildungsreform 20 Jahre oder mehr benötigt, auch in Österreich werde der große Wurf nicht von heute auf morgen möglich sein. In der Frage der Gesamtschule gehe es nicht um ideologische Grabenkämpfe, denn davon hätten sich die jungen Bildungsexperten längst verabschiedet. (apa)

6.12.2004 12:03