Dienstag, 7. Dezember 2004

Ursachenforschung nach PISA-Pleite: Laut Gehrer wurde Geld 'nicht richtig eingesetzt'

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Österreich habe bisher das Geld für den Schulbereich "anscheinend" nicht richtig eingesetzt, meinte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) Dienstag angesichts der aktuellen PISA-Studie. Österreich zähle zu den Ländern mit den höchsten Ausgaben, müsse also eigentlich vorne liegen. Die Mittel müssten verstärkt in die Qualität des Unterrichts und die Förderung der Schwächeren investiert werden, sagte Gehrer vor dem Ministerrat. Außerdem müsste man in der Qualitätssteigerung und in der Leseförderung "einen Zahn zulegen".

In der Einführung der Gesamtschule sieht Gehrer nicht die einzige Lösung. Ihrer Meinung nach ist es nicht so einfach, dass man mit einer einfachen Umorganisation des Schulwesens die Qualität steigern kann. So läge in der PISA-Studie z.B. auch Länder mit einem differenziertem Schulsystem weit vorne.

Gehrer: Damalige PISA-Ergebnisse sehr ernst genommen
Dass die vorige PISA-Studie falsch interpretiert und die falschen Maßnahmen von ihr eingeleitet worden seien, ließ Gehrer nicht gelten. Sie habe die damaligen Ergebnisse sehr ernst genommen und die Leseaktion gestartet sowie die Zukunftskommission zur Verbesserung der Unterrichtsqualität eingesetzt. Diese Maßnahmen "waren ganz richtig", ist Gehrer überzeugt. Die Wirkung sei aber eine sehr langfristige, deshalb müsse man "vielleicht ein bisschen schneller" agieren.

Schweitzer: Fächerübergreifender Unterricht
Reformen im Bereich des Schulwesens hält FPÖ-Staatssekretär Karl Schweitzer für nötig. So sei eine verpflichtende Lehrerfortbildung "unbedingt notwendig". Auch für fächerübergreifenden Unterricht und eine Verbesserung der Schulaufsicht plädierte er. Was die Gesamtschule betrifft, meinte Schweitzer, man könne "prinzipiell über alles reden". Man müsse "weg von den ideologischen Barrieren" kommen. Die beiden Großparteien ÖVP und SPÖ hätten die Bildungsdiskussion über einen langen Zeitraum sehr ideologisch geführt, damit habe Österreich die eine oder andere Entwicklung nicht rechtzeitig mitgemacht.

Niederwieser will Unterrichtsausschuss noch vor Weihnachten
"Taten statt Worte, rasche Entscheidungen statt aufwändige Inszenierungen", fordert SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser in der Diskussion um die Ergebnisse der internationalen OECD-Bildungsvergleichsstudie PISA. So sollte der parlamentarische Unterrichtsausschuss noch vor Weihnachten tagen, es gebe keinen Grund, bis Ende Jänner (dem von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer geplanten Reformdialog zum Thema Bildung) zu warten.

"Es gibt ausreichend Bereiche, in denen sofort Schritte gesetzt werden können, damit Österreichs Schule aus der PISA-Misere kommt", meint Niederwieser und nennt als Beispiele den Ausbau ganztägiger Schulformen, die Senkung der Klassenschüler-Höchstzahlen auf 25 Schüler pro Klasse, ausreichend Plätze in berufsbildenden mittleren und höheren Schulen oder Standortsicherung für Schulen im ländlichen Raum.

(apa/red)

7.12.2004 14:47