Mittwoch, 13. April 2005

Im Wortlaut: Auszug aus dem "Nationalen Bericht" zur PISA-Studie 2003

  • "Die Leistungen sind wenig zufrieden stellend"

Im Folgenden Auszüge aus dem vom österreichischen PISA-Zentrum erstellten "Nationalen Bericht" und den "Ergebnissen im Überblick" über die internationale OECD-Bildungsvergleichsstudie PISA 2003:

"Die Resultate von PISA 2003, betreffend die in Österreich erzielten Leistungen der 15-/16-jährigen Schüler/innen sind wenig zufrieden stellend. Man mag es drehen und wenden, wie man will: In allen drei Domänen Mathematik-, Lese- und Naturwissenschafts-Kompetenz sowie im Problemlösen sind unsere 15-/16-Jährigen im internationalen Vergleich bestenfalls Mittelmaß. Keine einzige der in PISA 2000 erreichten absoluten Leistungen, noch die dort erzielten Rangplätze konnten gehalten oder gar verbessert werden. Speziell in Lesen und Naturwissenschaft sei ein auch im internationalen Maßstab sehr deutliches Absinken der Leistungen zu beobachten, begleitet von einem rangmäßig zum Teil erheblichen Abrutschen innerhalb der 29 OECD-Länder (in Mathematik von Rang 11 auf 15, Lesen von 10 auf 19, in Naturwissenschaft sogar von 8 auf 20), auch weil sich mehrere andere Länder inzwischen erheblich verbessern konnten." (PISA-Österreich-Chef Günter Haider in seinem Resümee der Studie)

"Die Analysen zeigen, dass hinter den Differenzen eindeutig feststellbare Leistungsverluste der Schüler/innen stehen und methodische Artefakte oder statistische Zufallsschwankungen dafür keinen ausreichenden Begründungen liefern." (Günter Haider im Resümee)

"Daher sind die PISA-Ergebnisse immer auch ein wichtiger Indikator für die Gesamtqualität des Unterrichts in den 8 bis 10 "allgemein bildenden" Schuljahren, die dem PISA-Test individuell vorausgehen ... In den Ergebnissen spiegeln sich daher auch die Ressourcen und Rahmenbedingungen der Unterrichts, die Motivation der Lehrer/innen, die Lehrerbildung und die Professionalität des Lehrpersonals ... sowie die Führung durch das verantwortliche Schulmanagement." (Günter Haider im Resümee)

"Österreich ist das einzige Land, das sich im Vergleich zu den anderen deutschsprachigen Ländern von PISA 2000 auf PISA 2003 signifikant verschlechtert hat. In der Schweiz, in Liechtenstein, Deutschland und Luxemburg erbringen die Schüler/innen bei der Erhebung im Jahr 2003 signifikant bessere Leistungen als drei Jahr zuvor." ("Nationaler Bericht" zu Naturwissenschafts-Komptetenz)

"Am wenigsten Interesse und die geringste Freude (am Fach Mathematik, Anm.) entwickeln die österreichischen Schüler/innen, wobei unsere Mädchen den absoluten Negativwert im gesamten 14-Länder-Vergleich haben. Der österreichischen Schule gelingt es offensichtlich wenig, bei den Mädchen das Interesse und die Freude an der Mathematik zu wecken." ("Ergebnisse im Überblick")

"Die österreichischen Mathematik-Lehrer/innen vermögen den Schüler/innen die praktische Anwendbarkeit und den Nutzen ihres Faches kaum zu vermitteln." ("Ergebnisse im Überblick")

"Die Differenz (zwischen Buben und Mädchen bei den Ergebnissen im Bereich Lese-Kompetenz) hat sich in Österreich in den letzten drei Jahren zu Ungunsten der Burschen um 21 Punkte erheblich vergrößert; das ist der größte Zuwachs an Differenz (!), der weltweit gemessen wurde. Zurückzuführen ist die aber nicht auf eine Verbesserung der Mädchen, sondern auf ein sehr deutliches Abfallen des Lese-Mittelwerts der österreichischen Burschen von 495 auf jetzt nur noch 467 Punkte. Dieses starke Zurückfallen der Burschen im Lesen, das auch noch messbare Konsequenzen in anderen Fächern nach sich zieht, muss in der Schulpolitik und Didaktik unbedingt Beachtung finden." ("Ergebnisse im Überblick")

"In Österreich gehören dagegen 20 Prozent aller 15-/16-jährigen Schüler/innen, also ein Fünftel eines beschulten Jahrgangs, zur Lese-Risikogruppe. In absoluten Zahlen sind das derzeit rund 18.000 Österreicher/innen jährlich, die nach zumindestens 8 bis 9 Jahren allgemein bildender Schule nicht ausreichend fließend und sinnentnehmend Lesen gelernt haben. ... Die Größe der Lese-Risikogruppe im PISA-Test hat sich in Österreich in wenigen Jahren um 6 Prozentpunkte von 14 Prozent auf 20 Prozent der Schüler/innen - und damit fast um die Hälfte - vergrößert, der drittgrößte Anstieg weltweit." ("Ergebnisse im Überblick")

(apa)

13.4.2005 12:13


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