Freitag, 10. Dezember 2004

Für Rettungswesen und Risikopersonen: Neuer Schnelltest auf Herzinfarkt am Markt

  • 20 Minuten nach Beschwerde schlägt Test bereits an
  • Ab Jänner in österreichischen Apotheken erhältlich

Pro Jahr sterben in Österreich rund 16.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Die Symptome sind oft atypisch. Das gilt am Beginn der akuten Erkrankung auch für das EKG. Herkömmliche Labortests sprechen relativ spät an. Eine Änderung soll hier - wie am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien erklärt wurde - ein neuer Blut-Schnelltest bringen. Schon 20 Minuten nach einem Herzinfarkt liefere er ein aussagekräftiges Ergebnis.

"Die bisherigen Tests auf Herzenzyme wie CK/MB oder Troponin sprachen erst nach drei Stunden an", sagte Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Otto Traindl (Krankenhaus Mistelbach). Das Problem: Die Beseitigung eines bei einem Infarkt aufgetretenen Gerinnsels in einer Herzkranzarterie durch Medikamente (Thrombolyse) oder eine Herz-Katheter-Behandlung bringt nur in den höchstens ersten zwei bis vier Stunden einen positiven Effekt. Es gilt im Grunde, die "goldene erste Stunde" nach dem Auftreten von Symptomen zu nutzen. Sonst wird der Herzmuskelschaden immer größer bzw. irreparabel.

Die Daten: Bei der Wiederherstellung der Blutversorgung im Herzen binnen einer Stunde beträgt die Sterblichkeit von Patienten (30 Tage) etwa drei bis fünf Prozent. Danach verdoppelt sich die Mortalitätsrate.

Test wurde in Hongkong und Deutschland entwickelt
Eine schnellere Diagnose soll jetzt der "CardioDetect"-Schnelltest ermöglichen. Er wurde in Zusammenarbeit von Ärzten in Hongkong und in Deutschland entwickelt. Es handelt sich dabei um Testplättchen, auf die drei bis vier Blutstropfen (Fingerkuppe) aufgetragen werden. Bereits nach einigen Minuten weisen monoklonale Antikörper sichtbar das beim Absterben von Herzmuskelzellen ins Blut gelangende h-FABP-Eiweiß nach.

20 Minuten nach Infarkt greift schon der Test
Laut Dipl.-Ing. Wolfgang Schwarz von der Herstellerfirma (rennesens) spricht der Test bereits 20 Minuten nach dem Auftreten eines so genannten akuten Koronarsyndroms (instabile Angina Pectoris, Herzinfarkt) an. Das Rote Kreuz des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt verwendet die Methode bereits in ihren Notarztwagen.

Ab Jänner auch in Österreich
Ab kommenden Jänner wird es den Test auch in den österreichischen Apotheken (Preis: 25 bis 29 Euro) geben. Herz-Risikopersonen könnten so im Fall von unklaren Symptomen den Test schon in jener Zeitspanne durchführen, in der sie auf den - hoffentlich bereits beim ersten Verdacht alarmierten - Notarzt warten.

Univ.-Prof. Dr. Hans Domanovits von der Universitätsklinik für Notfallmedizin am Wiener AKH und sein Team werden den Schnelltest ab kommendem Februar in einer Studie untersuchen. Auch in Arztpraxen und in Notfallambulanzen könnte er von Vorteil sein.

Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Otto Traindl hat mit dem Wiener Medizinjournalisten Dr. Gert Baumgart (Verlag Maudrich ISBN3-85175-803-X) ein für das breite Publikum konzipiertes Buch zum Thema "Herzinfarkt - Risikofaktoren, Vorbeugung und Nachsorge" heraus gebracht. Am wichtigsten wären demnach Vorsorge mit Bekämpfung von Bluthochdruck und zu hohen Cholesterinspiegeln, Nichtrauchen und einer allfälligen guten Blutzuckereinstellung bei Diabetikern. Im Verdachtsfall aber ist die sofortige Alarmierung des Notarztes lebensrettend. (apa)

10.12.2004 14:41