Das Burnout des Bullen

Denkmalsturz: Die Demontage des Bullen-Mythos: Weshalb TV-Star Ottfried Fischer die Karriere hinschmeißen wollte.
Interview: Zwischen Telefonterror und Todesgedanken: Der Publikumsliebling spricht erstmals über seine Lebenskrise.
Und er bewegt sich doch allerdings überaus ökonomisch. Wenn der Mann mit dem Trenchcoat im Zeltformat unweit des Münchner Marienplatzes für die Kinderkrebshilfe Autogramme kritzelt, rotieren exakt jene drei Finger, die den schwarzen Filzstift umfassen. Der Rest von Ottfried Fischers imposanten Körperwelten ruht in temporärem Winterschlaf: Der Blick irgendwie starr. Das Lächeln irgendwie gefroren. Das Klima trotz sieben Grad plus irgendwie eisig.
Der Mann, der dem Boulevard dieser Tage die dicksten Schlagzeilen und den TV-Sendern die fettesten Quoten bescherte, hat, wie er sagt, Zuflucht in seinem schützenden Phlegma gesucht. Zu sehr haben ihm und seiner Familie die Ereignisse der letzten Tage und Wochen zu schaffen gemacht: das gemütlichste Dickerchen des deutschsprachigen Fernsehens ein skrupelloser Abkassierer?
Der Bulle (von Tölz) selbst sah sich eher als Melkkuh (des Privat-TV) und kritisierte seine Senderchefs (von SAT.1) deshalb wörtlich als neoliberalistische Geldverdienergesellschaft. Zu oft seien seine Bullen-Episoden wiederholt, zu exzessiv durch Werbeblocks und Trailer unterbrochen und so totgesendet worden.
Die Konsequenz: Ausgerechnet bei der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz (in Wetten, dass
?) verlautbarte der bayerische Volksheld, ein Jahr lang keinen einzigen Bullen zu drehen. Worauf ein Tabubruch in der symbiotischen Zweckgemeinschaft zwischen Sendern und ihren Zugpferden via Bild-Zeitung die Gage des gewichtigen Ermittlers an die Öffentlichkeit sickerte: 200.000 Euro pro Folge.
Satte Summen. Das sei selbst für einen Mann, der 150 Kilo auf die Waage bringt, eine ziemlich satte Summe, so der Tenor der veröffentlichten Meinung zumal die Ankündigung der Bullen-Pause als Poker um eine Solderhöhung gewertet wurde.
Mittlerweile haben sich die Senderchefs und ihr Quotenbringer (allein beim ORF, der die Serie zukaufte, schalteten sich bei der Wiederholung einer Uraltfolge am vergangenen Mittwoch mehr als eine Million Seher zu) bei Ente und Blaukraut in einem Münchner Nobelbeisl gütlich geeinigt. Für vier Folgen pro Jahr schlüpft Fischer künftig in den zerbeulten Bullen-Mantel, bisher waren es sechs bis acht.
Nach außen hin sind die Wogen geglättet. Doch der harmlose Schein trügt: Hinter den Kulissen war Ottfried Fischer in die schlimmste Krise seines Lebens geschlittert. So tief, dass er ernsthaft überlegte, seine Karriere für immer zu beenden. Wenn die Familie weiter gelitten hätte, hätte ich aufgehört, bekennt der TV-Star im großen NEWS-Interview.
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