Mittwoch, 1. Dezember 2004

Maier vs. Miller: Duell der Giganten

  • Der spannende Showdown der Ski-Superstars

Angriff: Was den US-Amerikaner Bode Miller so stark macht und wie er im Alleingang Österreichs Skiasse das Fürchten lehrt.
Revanche: Warum Österreichs Skikaiser Hermann Maier vor Miller warnt. Und wie er jetzt zum ganz großen Gegenschlag ausholt.

Bevor Bode Miller am Montag in Calgary den Flieger Richtung Denver bestieg, ließ er es noch so richtig krachen. Der US-Amerikaner hatte auch Grund zum Feiern: In den ersten drei Saisonrennen hat er das Maximum von 300 Weltcuppunkten herausgeholt und im Alleingang der mehr als erfolgsverwöhnten Skigroßmacht Österreich eine bittere Niederlage zugefügt. Während die Verantwortlichen des ÖSV bemüht waren, die Situation so gut wie möglich schönzureden, war Hermann Maier der Einzige, der die Lage richtig einzuschätzen wusste: „Ich finde es gar nicht schlecht, dass wir Österreicher uns jetzt schwer zusammenreißen müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren.“

Aber Maier schwört Revanche. Wie auch immer, im Skizirkus läuft ohnehin alles auf das Superduell der beiden Skigiganten hinaus. Maier gegen Miller, das sorgt für Einschaltquoten, da bleibt kein Auge trocken. Zeit zum Verschnaufen bleibt auch keine. Schon ab Donnerstag steigt auf Maiers „Lieblingsstrecke“ im US-Nobelskiort Beaver Creek (Colorado) eine Mini-WM. Vier Rennen an vier Tagen. Bei uns im Fernsehen zur besten Sendezeit zu sehen. Und nach dem Rücktritt von Stephan Eberharter im Sommer dürfte Maier wohl auch derjenige sein, der aus der ÖSV-Riege zurzeit dem US-Boy ernsthaft und auf Dauer die Stirn bieten kann.

Duell der Outlaws. Die Zutaten für einen spannenden Pisten-Showdown könnten nicht besser sein. Der Thriller zwischen Maier und Miller ist auch kein gewöhnlicher. Da krachen zwei Typen aufeinander, die lange um ihre Anerkennung kämpfen mussten. Beide hatten nicht den typischen Weg eines herkömmlichen Skirennläufers gemacht. Beide mussten sich im Laufe ihrer Karriere immer wieder alles selbst hart erarbeiten. Sowohl Maiers als auch Millers Lebensgeschichte liest sich eigentlich wie aus dem Drehbuch.

Die ersten sechs Lebensjahre verbrachte Miller mit seinen Eltern Jo und Woody, zwei überzeugten Hippies, in einer selbst gebauten Holzhütte in den Wäldern von New Hampshire. Ohne Strom und fließendes Wasser. Unterrichtet wurden Bode und seine zwei Geschwister von der eigenen Mutter. Sein Schlüsselerlebnis hatte der kleine Bode im Alter von drei Jahren, als ihm sein Großvater Jack selbst gebastelte Ski aus Holz schenkte. Ab sofort zog er seine ersten Schwünge in Cannon Mountain in den Schnee. Mit 13 schrieb ihn dann seine Mutter, mittlerweile vom Vater getrennt, in die „Carrabassett Valley Ski Academy“ von Maine ein. Das erste Mal zeigte Miller auf, als er als 18-Jähriger bei den US-Meisterschaften Dritter im Slalom wurde. Sein Debüt im Weltcup gab er in der Olympiasaison 1997/98.

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1.12.2004 15:38