Mittwoch, 1. Dezember 2004

Königsmord auf Raten

  • Umfrage: Ist diese SP noch zu retten? Und wer kann es?

Gusenbauers Drama: Warum seine Kür zum roten Kanzlerkandidaten zum medialen Fiasko wurde, wie er seine bittersten Stunden erlebte, gegen wen und wie er weiterkämpfen will. Und wie ab sofort die Kanzlerfrage zur Zerreißprobe für die SPÖ werden kann.

Was der frühmorgendliche Jogger im Weichbild zwischen Kanzleramt, Hofburg und Parlament Montag früh wohl taggeträumt haben mag, bevor er sich für seinen vermeintlich großen Tag zurechtmachte? Mit jeder Kreuzung, die Alfred Gusenbauer wenig später im Morgenstau Richtung Austria Center passierte, wurde dieses Gefühl in der Magengegend flauer und flauer.

Der Mann, so ein Gusenbauer-Kenner, schlitterte – auch wenn es nicht so schien – nicht unvorbereitet in den Parteitagsschock: „Er hatte Prüfungsangst, war nervös, angespannt. Schien zu ahnen, was da auf ihn zukommt.“ Es kam, wie es kommen musste. Nach dem gewagten Beginn als biblischer „Wunderheiler“ eines 89-jährigen Linzer Mütterchens kratzte Gusenbauer in seiner Rede noch die Kurve – und ging ab da kein Risiko mehr ein. Die entscheidende Parteitagsrede, mit
der Gusenbauer alle Kritik verstummen lassen wollte, wurde Pflicht statt Kür eines Kanzlerkandidaten. Michael Häupl sollte später von „wenig Emphase“ reden.

Dann der Zusammenbruch:
Bei der Wahl zum Parteivorstand gab es magere 86,6 Prozent – weniger als Fred Sinowatz 1987 erreicht hatte (88 Prozent).

Der Zusammenbruch. Der angeblich so Knallharte wusste im Parteitagsbüro, abseits der Kameras, nicht, ob er toben oder weinen sollte – und musste nun, da der Schock Gewissheit war, von seinen engsten Mitarbeitern überredet werden, überhaupt noch den Parteitagssaal zu betreten. Drinnen dann blankes Entsetzen: Gusenbauer, der gerne von sich als Profi schwärmt, findet ganz unprofessionell noch immer keine Fassung. Im Gegenteil: Das Gesicht entgleist – zwischen echten Tränen der Enttäuschung, die aufsteigen und mühsamst unterdrückt werden, Zorn auf die „Verräter“ und Trotz, „weil keiner so viel arbeitet wie ich und jeder, der es besser kann, doch endlich aufstehen soll“. Langsam dämmert einigen, dass es Gusenbauer wirklich ernst gemeint hatte mit seinem Satz „Mir geht es nicht um mich, nicht um die Partei – mir geht es um Österreich, mit jeder Faser meines Herzens“.

Und Entsetzen macht sich breit: Über die ehemalige Partei des intellektuellen Diskurses, der offenen Kampfparteitage, bei der es Kritiker nicht einmal mehr schaffen, wie einst Gusenbauer selbst als Jusochef, ihrem Parteichef auch ins Gesicht zu sagen, dass sie ihn nicht wählen werden.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS

1.12.2004 15:06