35 Millionen Euro wackeln: Die Finanzen des ORF - trotz Sparkurs droht ein Minus
- Laut Finanzplan budgetiert der ORF 2005 positiv
- FORMAT: Doch es wackeln bis zu 35 Millionen Euro
Laut Finanzplan, den der Kaufmännische Direktor des ORF, Alexander Wrabetz, am Dienstag den Stiftungsräten zur Diskussion vorlegen wird, soll der ORF im Jahr 2005 - ebenso wie in diesem Jahr - mit einer schwarzen Null bilanzieren. Rund 100.600 Euro liegt der FORMAT vorliegende Plan im Plus. ORF-Kaufmann Wrabetz ist jedenfalls zufrieden, "in Anbetracht der schwierigen Situation ein ausgeglichenes Budget" zustande gebracht zu haben.
Ob dieser Finanzplan allerdings wirklich hält Zwar hat Wrabetz den konstanten Rückgang der Werbeeinnahmen bereits vorsichtig berücksichtigt - statt mit Einnahmen von 304 Millionen Euro im Jahr 2004 rechnet er fürs Folgejahr nur noch mit 292 Millionen. Aber auch das könnte noch sehr optimistisch sein, denn die Werbeeinnahmen fallen für den ORF immer schneller, und das nicht nur aufgrund der Konjunktur: Rund 120 Millionen Euro fließen bereits in die Österreich-Werbefenster der deutschen Privatsender, Tendenz steigend. Wenn die Verbreitung digitaler Satellitenanlagen weiter so zunimmt, dann erwarten Experten in Bälde ein Werbevolumen für die deutschen Privatsender von bis zu 200 Millionen Euro. Diese Gelder dürften alle vom ORF abgezogen werden. Für Wrabetz ein Problem: "Die Konkurrenz für uns nimmt massiv zu, und zwar vor al-lem durch die Verbreitung der Fenster. Die Privatsender können am Werbemarkt Geld akquirieren, ohne dafür ein eigenes Programm anzubieten."
Und letzten Endes ist das ORF-Budget für das Jahr 2005 auch nur aufgrund der Auflösung von Rücklagen für die Werbeabgabe ausgeglichen: Rund 40 Millionen Euro kamen auf diese Art ins Budget des Jahres 2004. Dieses Geld wurde nicht nur in die Infrastruktur und Technik gesteckt, sondern auch in aufwendige Eigenproduktionen, die erst im kommenden Jahr ausgestrahlt werden, was wiederum das Budget 2005 entlastet.
Es besteht weiterer Sparbedarf
Vor allem ausgabenseitig wird der ORF also auch in den nächsten Jahren weiter massiv sparen müssen - rund 260 Mitarbeiter, so ergab eine Untersuchung der Unternehmensberater von McKinsey, sollte der ORF in den nächsten Jahren abbauen, der Staatsfunk hat sich bereits darangemacht. Ob das allein reichen wird
Ein Problem für den ORF könnten nämlich auch die so genannten Sonderwerbeformen, also Sponsoring, Product Placement und Ähnliches werden: Rund 50 Millionen Euro sollen diese Werbeformen im Jahr 2005 bringen. Gerade diese Finanzquellen werden von der Regulierungsbehörde Komm Austria massiv attackiert. Allein im August gab es neun Anzeigen deswegen. Sollte die Spruchpraxis der Komm Austria gleich bleiben, dann würden für den ORF laut eigenen Angaben bis zu 35 Millionen Euro an Einnahmen wackeln - und bereits im Jahr 2005 zu einem Minus führen.
2006 wird noch schwieriger als das nächste Jahr
Wrabetz sieht das nicht so. Er glaubt, sowohl 2005 als auch 2006 ausgeglichen budgetieren zu können, wobei "2006 noch schwieriger werden wird". Für die Zeit danach ist aber auch er sich nicht sicher: "Bis 2006 können wir mit normalen Bordmitteln über die Runden kommen, dann müssen sich aber die Rahmenbedingungen ändern: Die Regierung muss uns einnahmenseitig die Möglichkeiten geben, dass sich der ORF sein Geld verdient - etwa durch Werbeerleichterungen oder die Erschließung neuer Geschäftsmodelle."
Ähnlich sehen das auch Stiftungsräte wie der Grüne Pius Strobl. Er fordert vor allem von der Regierung ein Umdenken: "Es ist ein Wahnsinn, dass die Regierung den ORF massiv beschränkt. Das Geld, das dem ORF weggenommen wird, geht nicht zu ATV, sondern in die Fenster."
Nur der SPÖ-Mann Karl Krammer, ebenfalls Mitglied des ORF-Stiftungsrats, sieht die Probleme auch beim ORF: "Wenn die Werbeerlöse zurückgehen, dann passiert das auch wegen der zurückgehenden Quoten, etwa bei der ZiB 1. Und ich bezweifle, dass die aktuelle ZiB-Reform wirklich was gebracht hat."
Mehr dazu lesen Sie im aktuellen FORMAT!
Verrat im Vatikan14:42
Komplizen gesuchtItalienischer Kardinal wird verdächtigt. Weitere Festnahmen nicht ausgeschlossen.
Wetter in Österreich08:07
Es trübt sich einWoche nach Pfingsten unbeständig. Sonne, Regen und Gewitter - alles ist möglich.

