Superman Euro: Kurs der europäischen Währung fährt ungebremst nach oben
- FORMAT: Wirtschaftswachstum in EU geschwächt
- Schuld daran ist die Schuldenpolitik der USA
Schon merkwürdig. Noch vor knapp vier Jahren hatten Trichets Kollegen in ganz Europa überlegt, wie sie den Eurokurs ankurbeln könnten. Zur Erinnerung: Der Euro stand damals bei 0,83. Mittlerweile fährt der Euro nahezu ungebremst nach oben, die europäische Währung ist stärker denn je - und dennoch kommt keine rechte Freude auf in Frankfurt, dem Sitz der EZB. Der Grund für die schlechte Stimmung liegt auf der Hand: Der Höhenflug des Euro hat rein gar nichts mit einem kleinen Wirtschaftswunder in Europa zu tun. Verantwortlich ist einzig und allein die Schuldenpolitik der Regierung Bush.
Allein heuer werden die USA ein Leistungsbilanzdefizit von über 600 Millionen Dollar einfahren, der Schuldenstand ist auf 7.379 Milliarden Dollar angestiegen. Mit anderen Worten: Die USA verbrauchen mehr Güter, als sie produzieren. Sie importieren mehr, als sie exportieren. Und dabei kommt gut ein Fünftel der Negativbilanz allein aus dem Handel mit China. In einem funktionierenden Markt würde der chinesische Yuan abwerten, Exporte würden teurer werden, das US-Defizit würde auf längere Sicht abgebaut.
Asiaten gehen mit dem Dollar mit
Das Problem dabei: China hat seine Währung an den Dollar gekoppelt, hält den Kurs künstlich schwach, um weiter billig exportieren zu können. Andere asiatische Notenbanken verfolgen eine ähnliche Strategie. Der Abwertungsdruck entlädt sich daher an anderen Währungen, allen voran dem Euro. Folge: Europäische Produkte werden so teuer, dass die Exporte in die USA einbrechen, und die gerade anziehende Konjunktur in Europa wird abgeschwächt. "Weitere 10 Prozent Kursanstieg", so der Chefökonom der Industriellenvereinigung, Christian Helmenstein, "kosten etwa 0,5 % an Wirtschaftswachstum in Europa."
Prinzipiell hat Trichet drei Möglichkeiten, den Eurokurs zu drücken:
* Verbale Intervention: Aussagen von Notenbankern haben durchaus Auswirkungen auf den Devisenmarkt. Allerdings, so Helmenstein, "hat das bestenfalls eine Bremsfunktion, löst aber das Problem nicht". Dieser Prozess ist übrigens schon seit ein paar Wochen in Gang, immer wieder haben sich Notenbankchefs und Finanzpolitiker diesbezüglich zu Wort gemeldet. Wie sich der Kurs ohne diese Aufschreie entwickelt hätte, ist schwer zu sagen. Niedriger als heute würde der Euro wohl nicht liegen.
* Echte Intervention: Wenn Worte nicht reichen, müssen Taten folgen. Die EZB könnte die nationalen Notenbanken veranlassen, Geld in die Hand zu nehmen und in Dollar zu investieren. "Gut geplante Interventionen", so der Wirtschaftsprofessor Ewald Novotny, "können durchaus Wirkung zeigen. Allerdings nur, wenn die Banken damit ein spekulatives Ungleichgewicht korrigieren wollen." Derzeit bilde der Kurs aber fundamentale Wirtschaftsdaten ab, eine Intervention würde daher nichts bringen, sondern nur unnötig Geld kosten, warnt Novotnys Kollege Erich Streissler: "Eine Intervention wäre nicht klug, die Finanzmärkte sind einfach zu stark. Wenn die Banken Verluste machen wollen, gut. Aber man darf nicht vergessen, dass das Verluste für das jeweilige Land sind."
* Zinsen senken: Bleibt nur noch die Möglichkeit, an der Zinsschraube zu drehen. Bei niedrigeren Zinsen büßt der Euro an Reiz für Anleger ein, der Eurokurs gibt nach. "Wir hielten das für sinnvoll", meint Ökonom Helmenstein, "aber nicht für sehr wahrscheinlich." Seit den 80er Jahren habe die EZB nämlich keine gegenläufige Zinspolitik zu den USA gefahren, und daran werde sich wohl auch jetzt nichts ändern. Außerdem birgt eine Zinssenkung die Gefahr steigender Inflation, und das will die EZB um jeden Preis verhindern.
Kein Ende des Höhenflugs in SIcht
Letztendlich, so Streissler, können die Notenbanker die Entwicklung ohnehin nicht aufhalten. Der Markt sei einfach zu stark. Er rechne aufgrund der hohen Verschuldung der USA damit, dass der Euro weiter zulege. Und auch Helmenstein sieht durchaus noch Potenzial nach oben. Er habe vor kurzem ein paar Berechnungen durchgeführt, um ein realistisches Preisband für den Euro zu bekommen. Ergebnis: Der Euro müsste sich demnach in den nächsten zwölf Monaten zwischen 1,26 und 1,47 Euro bewegen. Helmenstein: "Wir haben kaum ein Abwertungsrisiko für den Euro, aber ein beträchtliches Aufwertungsrisiko."
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