Routiniers ganz unter sich: "Oldie" Kjus schnappt dem "Herminator" den Sieg weg!
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ABSTIMMEN: ÖSV-Stars gegen den Rest der Welt
Hermann Maier hat im Riesentorlauf zu alter Stärke zurück gefunden und sich am Samstag beim Weltcup in Beaver Creek nur dem 33-jährigen Norweger Lasse Kjus um 45 Hundertstelsekunden geschlagen geben müssen. Auf Platz drei landete Benjamin Raich (+0,64 Sek.), der nach dem ersten Durchgang nur an achter Stelle gelegen war. Der Halbzeitführende Tiroler Christoph Gruber schied aus. Bereits im ersten Durchgang war die Erfolgsserie des US-Amerikaners Bode Miller gerissen, der nach vier Siegen und einem zweiten Platz in diesem Winter erstmals ausfiel.
Die Frage die sich die Trainer in der Früh in Beaver Creek stellten, war nicht, wer wird gewinnen, sondern wer wird Zweiter hinter Bode Miller. Nach dem Ausfall des mit Startnummer fünf ins Rennen gegangenen US-Amerikaners wurde die Frage neu formuliert und wer auf Kjus als Sieger setzte, sollte Recht behalten.
Der Routinier feierte seinen 17. Weltcup-Erfolg ("Es war ein super Tag für mich. Einfach unglaublich. Da ich schon krank hier her gekommen bin, habe ich in der vergangenen Woche kaum fahren können"), für Maier war es der erste Stockerlplatz im Riesentorlauf seit seinem schweren Motorradunfall im Sommer 2001. Stephan Görgl, der 26-jährige Sensationssieger im Beaver-Creek-Super-G, machte als Fünfter ein hervorragendes ÖSV-Ergebnis in der vermeintlich schwächsten Disziplin perfekt.
"Herminator" hat wieder bessere Laune
Hermann Maier war nach seinem besten Ergebnis seit seinem Comeback endlich wieder halbwegs gut gelaunt: "Ich habe mich langsam ans Limit getastet. Beim jetzigen Schuh liegen die Qualitäten auf den technischen Disziplinen. Im oberen Teil hab ich den Sieg hergeschenkt. Ich habe im Ziel nicht damit gerechnet, dass ich in Führung liege. Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, wertvoller als ein Sieg in Abfahrt oder Super G. In Europa muss ich mich entscheiden, welcher Schuh sinnvoller ist."
Im Riesentorlauf passt bei Maier jedenfalls das Set-Up, wie er selbst bestätigt: "Wegen dem RTL habe ich den Schuh (Atomic/Anm.) überhaupt." In den Speed-Disziplinen schaut es anders aus, in der Abfahrt kommende Woche in Val d'Isere wird er möglicherweise wieder auf "Lange" setzen. Maier hat sich übrigens, wie man hört, etwas von Miller abgeschaut. Der Salzburger wurde am Freitag im "Coyoten" gesichtet, in jenem beliebtesten Pub von Beaver Creek, in dem sich auch der US-Boy gern bis Mitternacht aufhält.
Miller nach Ausfall spurlos verschwunden
Bode Miller, der nach dem Ausfall kommentarlos verschwand, schaffte es in dem langen und drehenden Rennen auf teils weichem, teils eisigem und teils rippigem Schnee (Start in 3.136 m Seehöhe), nicht einmal bis zur Schlüsselstelle. Nach knapp 15 Fahrsekunden war sein Auftritt zu Ende, er rutsche beim fünften Tor bei der Einfahrt in den Schatten am Innenski aus, räumte bei seinem Abgang einen Pistenarbeiter aus den Weg und zog sich bei seinem Sturz eine Prellung am Unterarm zu. Schon am Nachmittag (Ortzeit) wollte er aber sein Slalom-Training durchziehen.
Ein Trainer erklärte, das der Unfall auch genau beim Übergang vom "Eisigen zum Rippigen" passierte. Miller hat dort mehr riskiert als alle anderen und wurde Oper seiner Angriffslust, die ihn nach dem Sensationsstart in den Winter aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Die anspruchsvollen Bedingungen kamen den Allroundern und Routiniers zugute, wie sich im Resultat schließlich widerspiegelte.
Raich verschenkte den Sieg im ersten Lauf
Das Miller-Tor wurde im ersten Lauf auch Hans Knauß fast zum Verhängnis. "Mich hätt's am fünften Tor fast überschlagen, da habe ich gemerkt, so geht es nicht. Dann bin ich mit mehr Gefühl gefahren. Das Ganze ist brutal anstrengend. Ich bin seit Sölden genau drei Riesentorlauf-Trainingsläufe gefahren", so Knauß, der im zweiten Lauf nach Patzern auf Rang 16 zurückfiel.
Trotz eines groben Fehlers an der Schlüsselstelle Eagle Jump legte Benjamin Raich im ersten Durchgang eine sensationelle Zeit hinunter (Achter): "Ich saß mit dem Hintern am Schnee, bin fast gestanden. Sonst wäre ich noch schneller gewesen." ÖSV-Alpinchef Hans Pum sprach gar von "einer Sekunde". Und auch im zweiten Lauf war er zwei Mal extrem in Schräglage geraten, rettete aber die Zwischenführung ins Ziel und landete als Dritter sogar noch auf dem Podest. "Ich habe heute ein super Gefühl gehabt! Normalerweise kann man nach so einem Fehler wie im ersten Durchgang abschwingen."
Kein Glück für Halbzeit-Leader Gruber
Gruber brachte die Halbzeitführung kein Glück, es war seine zweite nach Hafjell im März 2003, als er dann Elfter wurde. Nach dem ersten Lauf hatte er noch selbstbewusst gemeint: "Die Abfahrt hat mir Auftrieb gegeben. Im RTL-Training war ich eh am konstantesten, hier ist es sehr gut gegangen. Ich habe mich heute vom Start weg gut gefühlt und wollte eigentlich nur gut runter kommen." Das sollte ihm im zweiten Lauf dann nicht mehr gelingen.
Neben Andreas Schifferer schied im ersten Lauf aus dem ÖSV-Team auch Hannes Reiter aus, nach seinem Sturz bestand Verdacht auf einen Daumenbruch.
| Ergebnis RTL der Herren in Beaver Creek: | |||
| 1. | Lasse Kjus | NOR | 2:29,82 Min. |
| 2. | Hermann Maier | AUT | +0,45 |
| 3. | Benjamin Raich | AUT | +0,64 |
| 4. | Aksel Lund Svindal | NOR | +0,72 |
| 5. | Stephan Görgl | AUT | +0,89 |
| 6. | Erik Schlopy | USA | +1,01 |
| 7. | Davide Simoncelli | ITA | +1,38 |
| 8. | Didier Defago | SUI | +1,40 |
| 9. | Michael Walchhofer | AUT | +1,43 |
| 10. | Marco Büchel | LIE | +1,49 |
| 11. | Dane Spencer | USA | +1,76 |
| -. | Daniel Albrecht | SUI | +1,76 |
| 13. | Thomas Grandi | CAN | +1,79 |
| 14. | Arnold Rieder | ITA | +1,80 |
| -. | Massimiliano Blardone | ITA | +1,80 |
| 16. | Hans Knauß | AUT | +1,91 |
| 17. | Kalle Palander | FIN | +1,96 |
| 18. | Gauthier de Tessieres | FRA | +1,99 |
| 19. | Frederic Covili | FRA | +2,22 |
| 20. | Freddy Rech | FRA | +2,28 |
| 21. | Rainer Schönfelder | AUT | +2,33 |
| 22. | Bruno Kernen | SUI | +2,38 |
| 23. | Manfred Mölgg | ITA | +2,88 |
| 24. | Giorgio Rocca | ITA | +2,89 |
| 25. | Joel Chenal | FRA | +3,10 |
| 26. | Truls Ove Karlsen | NOR | +4,12 |
| 27. | Bjarne Solbakken | NOR | +6,83 |
(apa/red)
