Sonntag, 5. Dezember 2004

Verneigung vor den Sandplatz-Königen: Spanien zum zweiten Mal Daviscup-Sieger!

  • Team USA verliert vor Rekordkulisse in Sevilla
  • 18-jähriger Nadal jüngster Daviscupsieger aller Zeiten

Spaniens Sandplatz-Könige haben angefeuert von Kronprinz Felipe zum zweiten Mal nach 2000 den Daviscup geholt. Vor der Weltrekord-Kulisse von 27.000 Zuschauern in Sevilla machte der frühere French-Open-Sieger Carlos Moya am Sonntag nach 2:29 Stunden mit seinem 6:2,7:6(1),7:6(5)-Sieg über US-Open-Gewinner Andy Roddick alles klar und die Vorjahres-Finalpleite gegen Australien vergessen. Im abschließenden und schon bedeutungslosen Einzel gewann US-Boy Mardy Fish gegen Tommy Robredo mit 7:6 und 6:2. Spanien setzte sich im Endspiel mit einem Gesamt-Score von 3:2 durch.

Jubelnd sank der Mallorciner, der bei der ATP-WM vor zwei Wochen schon in der Vorrunde gescheitert war, auf die rote Asche. Mit Glück und Geschick hatte er die Vorentscheidung mit seinem 20. Erfolg (bei sieben Niederlagen) im Daviscup geschafft. Bereits das Eröffnungseinzel hatte er gegen den Olympia-Zweiten Mardy Fish für sich entschieden und damit den Grundstein zum Gewinn der "hässlichsten Salatschüssel der Welt" gelegt, die er später aus den Händen von Spaniens Thronfolger Felipe und dessen Frau Letizia in Empfang nehmen durfte.

"Auf diesen Moment habe ich viele Jahre gewartet", sagte ein sehr emotionaler Moya, und musste sich Tränen aus den Augen wischen. "Der Daviscup war mein Traum." Kapitän Jordi Arrese gratulierte ihm. "Er hat ausgezeichnet gespielt. Die Situation war perfekt für Charly", so Arrese.

Roddick trauert vergebner Chance nach
Aufschlag-Weltrekordler Roddick stand nach seiner zweiten Niederlage dieses Endspiels wie ein begossener Pudel im Abseits und ärgerte sich über die vorzeitig besiegelte Final-Niederlage. Mit einem glatten Dreisatzsieg hatten die Zwillinge Bob und Mike Bryan am Samstag für einen Hoffnungsschimmer gesorgt. Doch der Punkt zum 1:2-Anschluss durch das 6:0,6:3,6:2 gegen das spanische Ersatz-Duo Juan Carlos Ferrero/Tommy Robredo war letztlich nur ein Strohfeuer.

Schon Roddick wusste die Gunst der Stunde nicht zu nutzen und musste sich dem einen Teil der "Nationalmannschaft Mallorcas" mehr oder minder chancenlos beugen.

Ein Youngster sorgt für Aufsehen
Youngster Nadal war zum Erstaunen selbst vieler Experten von Kapitän Jordi Arrese als Einzelspieler nominiert worden. "Ich weiß gar nicht, warum alle überrascht waren, dass wir ihn aufgestellt haben und nicht Ferrero", erklärte Arrese. "Er hat doch längst gezeigt, dass er ein großer Daviscupspieler ist." Und das nicht erst durch den Erfolg gegen Roddick. Den Einsatz des 18-jährigen Neffen des einstigen spanischen Fußball-Nationalspielers Miguel Angel Nadal auch im Doppel stoppte die Teamleitung aber. Nadal ist mit 18 Jahren und 187 Tagen übrigens der jüngste Daviscupsieger aller Zeiten.

Die Spieler von Rekordsieger USA, in Runde eins Sieger über Österreich, müssen weiter auf den 32. Triumph im Mannschafts-Wettbewerb warten. Der letzte Erfolg ist ihnen 1995 gegen Russland gelungen, als Pete Sampras für die drei siegbringenden Punkte gesorgt hatte. Gegen die vor eigenem Publikum wie entfesselt auftrumpfenden Iberer waren die ohne Andre Agassi angetretenen Amerikaner ohne Chance. Zumal es Roddick & Co. neben der ungeliebten langsamen Asche auch mit der größten Zuschauer-Kulisse zu tun bekamen, die jemals zu einem Tennisspiel gekommen ist. (apa/red)

5.12.2004 17:10