Aus dem Schlaf gerissen: Erdbeben im Grenzgebiet von Schweiz & Deutschland
- Ausläufer bis nach Vorarlberg und Tirol zu spüren
- Vorerst keine Schäden bekannt
Ein Erdbeben hat in der Nacht auf Sonntag das Grenzgebiet zwischen Deutschland, der Schweiz und Frankreich am Oberrhein erschüttert. Es erreichte nach Angaben des Schweizerischen Erdbebendienstes der ETH Zürich (Eidgenössische Technische Hochschule) die Stärke 5,2 auf der Richterskala. Die Ausläufer waren auch in Österreich zu spüren. Wie der österreichische Erdbebendienst in einer Aussendung mitteilte, wurden sie in Tirol und Vorarlberg wahrgenommen.
Der Österreichische Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien sprach von einem "für diese Region ungewöhnlich kräftigen Erdbeben". Bei dieser Stärke - nach ZAMG-Angaben erreichte es eine Magnitude von 5,5 nach Richter - sei im Bereich des Bebenzentrums durchaus mit Gebäudeschäden zu rechnen, urteile der Seismologe Gerald Duma.
Die Erdstöße seien in einem Umkreis von bis zu 250 Kilometern spürbar gewesen, teilte das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg mit. Laut Polizei entstand nur geringer Sachschaden. Aber nicht nur in Deutschland, auch viele Menschen in der Schweiz und in Frankreich waren verängstigt. Tausende fragten telefonisch bei den Polizeidienststellen nach.
Bis nach Westösterreich wurde das Ereignis registriert. Ausläufer des Erdbebens waren in Vorarlberg zu spüren, wurden von den meisten Menschen aber offensichtlich verschlafen. Dennoch gingen zahlreiche besorgte Anrufe bei Rettung und Gendarmerie ein. "Schäden an Gebäuden sind bis jetzt nicht bekannt", hieß es Sonntagvormittag auf APA-Anfrage bei der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in Feldkirch.
Vereinzelt wurden in Tirol die Auswirkungen des Bebens bemerkt. Die Landeswarnzentrale verzeichnete bis zum späten Vormittag insgesamt fünf Anrufer. Diese hatten angegeben, dass sie wach gewesen waren und leichte Erschütterungen wahrgenommen hatten. Die meisten Anrufe kamen aus dem Tiroler Oberland. Nur eine Frau hatte sich aus dem Raum Innsbruck gemeldet. Auch am Gendarmerieposten in Imst (Bezirk Landeck) ging ein Anruf ein.
Das Beben in zwölf Kilometern Tiefe dauerte mehrere Sekunden. "Viele Menschen haben auch einige Nachbeben wahrgenommen, zum Teil nur als akustisches Grummeln", sagte der Freiburger Polizeiführer vom Dienst, Herwig Studier. "Die Telefone standen nicht still." Allein bei der Polizeidirektion Freiburg habe es 230 Anrufe innerhalb von 15 Minuten gegeben.
"Ich kam mir vor wie auf einer stark schleudernden Waschmaschine", berichtete eine Anruferin aus Freiburg. "Ich dachte zuerst, es sei eine Explosion unten im Haus."
Der Experte Ralph Ortlieb vom Landesamt in Freiburg betonte: "Auch wenn es subjektiv so erscheinen könnte, hat die Zahl der Erdbeben in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg nicht zugenommen." Ein ähnlich schweres Erdbeben hatte es zuletzt am 22. Februar 2003 gegeben: In den Vogesen westlich von Straßburg bebte es mit einer Stärke von 5,4.
Am 22. März 2003 beschädigte ein Erdbeben der Stärke 4,4 mit Epizentrum in Albstadt (Zollernalbkreis) einige Gebäude. Selbst im 70 Kilometer entfernten Stuttgart zitterten Bürogebäude und Wohnhäuser minutenlang. Das größte Beben der vergangenen Jahrzehnte erschütterte am 3. September 1978 den Zollernalbkreis mit einer Stärke von 5,7 auf der Richterskala. 25 Menschen wurden verletzt. Es entstand ein Sachschaden von mehr als 100 Millionen Mark.
(S E R V I C E - Der Österreichische Erdbebendienst ersuchte Personen, die das Beben gespürt haben, um Mitteilungen: http://www.zamg.ac.at/bebenmeldung oder Brief an folgende Adresse - Porto zahlt Empfänger: Österreichischer Erdbebendienst, Hohe Warte 38, Postfach 342, A-1190 Wien, Fax: +43-1-36 866 21)
(apa/red)
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