Trümmerhaufen Irak: Am Wochenende sterben bei Anschlägen 55 Menschen
- 17 irakische Zivilisten in Tikrit erschossen
- Sunnitische Parteien fordern Wahl-Verschiebung
·Bagdad: Schwere Explosionen in City
Autobomben: Zwei Iraker und ein US-Soldat getötet
·Bagdad: Angriffe auf Polizeistationen
Zwölf Polizisten unter den 20 getöteten Menschen
Aufständische im Irak haben am Wochenende mehr als 55 Menschen getötet. In Tikrit erschossen Extremisten am Sonntag nach Angaben der US-Armee 17 irakische Zivilisten, die mit dem Bus auf dem Weg zur Arbeit waren. Insgesamt kamen fünf US-Soldaten bei mehreren Angriffen ums Leben. Der frühere UNO-Irak-Beauftragte Lakhdar Brahimi erklärte, wegen der Anschläge sei es unmöglich, am Wahltermin 30. Jänner festzuhalten.
"Der Irak ist ein Trümmerhaufen", sagte Brahimi der niederländischen Zeitung "NRC Handelsblad" (Samstag-Ausgabe). Sieben sunnitische Parteien forderten am Sonntag in Bagdad eine Verschiebung der Wahl um mindestens sechs Monate.
17 Arbeiter in Tirkit getötet
17 Arbeiter wurden in Tikrit getötet, als die Angreifer aus Autos das Feuer auf die Busse eröffneten. Mindestens 13 Zivilisten wurden bei dem Angriff verletzt. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera berichtete, die Iraker seien in einem amerikanischen Militärstützpunkt beschäftigt gewesen. In Mossul wurden bei einem Anschlag auf eine Militärpatrouille am Sonntagmorgen zwei amerikanische Soldaten getötet. In der Stadt explodierte zudem eine Autobombe, die nach Informationen des Fernsehsenders Al Irakija sieben Nationalgardisten tötete. In Mossul starben am Samstag bei einem Selbstmordanschlag nach Angaben eines Vertreters der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) von Jalal Talabani 18 kurdische Kämpfer ("Peschmerga").
Sprengstoffanschlag in Bajiji
Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stadt Baiji rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad wurden mindestens drei irakische Nationalgardisten getötet und über zehn weitere verletzt. Ein Sprecher der US-Armee teilte mit, der Sprengstoff sei in einem Auto versteckt gewesen. Nach der Explosion habe es ein Feuergefecht zwischen Nationalgardisten und Aufständischen gegeben. Unter den Toten war auch der Kommandant der Nationalgarde für die Region Baiji. Wegen der seit Wochen andauernden Kämpfe in der mehrheitlich von Sunniten bewohnten Stadt hatte die irakische Übergangsregierung dort eine Ausgangssperre verhängt.
Bombenanschläge in Bagdad
Bei Bombenanschlägen in Bagdad kamen am Samstag sechs Polizisten und ein US-Soldat ums Leben. Im Norden Bagdads starb bei einem Sprengstoffanschlag auf eine US-Patrouille ein Soldat. Bei einem Anschlag westlich von Bakuba wurde ein weiterer Soldaten getötet.
Verschiebung der Wahl gefordert
Sieben sunnitische Parteien forderten eine Verschiebung der für den 30. Jänner geplanten Wahlen im Irak um mindestens sechs Monate. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung hervor, die Vertreter der Parteien am Sonntag nach einem Treffen in Bagdad veröffentlichten. An dem Treffen nahmen auch die beiden wichtigsten Parteien der sunnitischen Araber, die Islamische Partei und die Arabische Demokratische Front (ADF), teil. ADF-Generalsekretär Farahan Sadit sagte anschließend, die Wahlen müssten verschoben werden, damit mehr Zeit bleibe, um diejenigen umzustimmen, die für einen Wahlboykott plädierten.
Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten hatte nach dem Beginn der jüngsten Offensive der US-Armee in der einstigen Rebellenhochburg Falluja zum Boykott der Parlamentswahlen aufgerufen. Außerdem haben Extremistengruppen in den Städten des so genannten sunnitischen Dreiecks mit Anschlägen auf Zivilisten gedroht, die sich an dem ersten landesweiten Urnengang beteiligen wollen.
(apa/red)
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