Samstag, 4. Dezember 2004

Ex-Chef des Cali-Kartells: Kolumbianischer
Drogenbaron wurde an USA ausgeliefert

  • Wegen Rauschgifthandels und Geldwäsche vor Gericht
  • Rodriguez Orejuela galt als brutal und gefährlich

Der einst mächtige Chef des Drogenkartells der kolumbianischen Großstadt Cali, Gilberto Rodriguez Orejuela, ist am Freitag an die USA ausgeliefert worden. Der 65-Jährige, der den Beinamen "Der Schachspieler" trägt, wurde auf dem Flughafen von Bogota in Handschellen und unter Eskorte Beamten der US-Drogenpolizei DEA übergeben.

Orejuela soll im US-Bundesstaat Florida wegen Drogenschmuggels, Rauschgifthandels und Geldwäsche vor Gericht gestellt werden. Die Auslieferung gilt als größter Erfolg der USA im Antidrogenkampf seit der Tötung seines Konkurrenten Pablo Escobar vom Medellin-Kartell durch die Polizei fast auf den Tag genau vor elf Jahren. Gilbertos Bruder Miguel Rodriguez Orejuela sitzt ebenfalls im Gefängnis, auch ihm droht die Auslieferung.

Der dritte ehemalige Chef des bereits Mitte der 90-er Jahre zerschlagenen Cali-Kartells, Helmer Herrera, war 1998 im Gefängnis von einem Killer erschossen worden. Rodriguez Orejuela, der an einer Herzkrankheit leidet, beteuerte kurz vor seiner Auslieferung erneut seine Unschuld.

Rodriguez Orejuela war für seine Gewalttätigkeit verrufen und galt als "Chefmanager" des gefährlichsten und brutalsten Drogen-Kartells. Wahrscheinlich wird das Verfahren mit einer lebenslänglichen Haftstrafe enden. In einem kürzlich veröffentlichten Interview bekannte der Drogen-Boss, der sein Verbrecher-Imperium sogar noch aus dem kolumbianischen Gefängnis lenkte, er habe "den inneren Frieden gefunden". Seine Gedanken seien bei seiner Familie, und seine Bestimmung liege "bei Gott".(apa)

4.12.2004 08:22