Kommt Friede in Nordirland: Fortschritte bei Verhandlungen nach US-Vermittlung
- Präsident Bush telefonierte mit Sinn-Fein-Chef Adams
- Sinn Fein zu Treffen mit britischem Polizeichef bereit
In den stockenden Nordirland-Friedensprozess ist wieder Bewegung gekommen, nachdem US-Präsident George W. Bush mit führenden Vertretern der Konfliktparteien gesprochen hat. Die pro-irische Partei Sinn Fein erklärte sich erstmals zu einem Treffen mit dem Polizeichef der britischen Provinz, Hugh Orde, bereit, um Sicherheitsfragen zu erörtern. Eine von Sinn-Fein-Chef Gerry Adams geführte Delegation wird am Montag an dem Gespräch am Amtssitz des britischen Premierministers Tony Blair teilnehmen.
Das US-Präsidialamt hatte am Sonntag mitgeteilt, dass Bush Adams am Telefon aufgefordert habe, ein von Blair und dessen irischen Kollegen Bertie Ahern ausgearbeitetes Angebot für eine Rückkehr Nordirlands zur Selbstverwaltung anzunehmen.
Bereits zuvor hatte Bush mit dem pro-britischen protestantischen Pfarrer Ian Paisley telefoniert, der als Vertreter der harten Linie im Lager der Unionisten gilt. Vergangene Woche hatten die Regierungen in London und Dublin den Konfliktparteien ein Kompromisspapier vorgelegt, das die Gespräche aus der Sackgasse führen soll. Es sieht eine vollständige Entwaffnung der pro-irischen Untergrund-Organisation IRA vor. Im Gegenzug soll Paisleys Partei DUP grünes Licht für eine Regierungsbeteiligung der Sinn Fein geben. Aus Verhandlungskreisen verlautete, Paisley verlange Bildmaterial, das die Entwaffnung der IRA belegen solle.
Gespräche am Amtssitz Blairs
Bei den Gesprächen am Amtssitz Blairs in London soll es am Montag nach Angaben der pro-irischen Nationalisten um ihre Forderung gehen, die Präsenz der Sicherheitskräfte in den republikanischen Katholiken-Wohngebieten Nordirlands zurückzufahren. Die unter Zeitdruck stehenden Verhandlungen über den Friedensprozess sollen im Lauf der Woche weitergehen.
Die Gespräche in Belfast und London über eine Rückkehr zur Selbstverwaltung Nordirlands waren im Streit über eine Beteiligung von Adams' Sinn Fein an der Regierung ins Stocken geraten. Irland und Großbritannien drängen Paisleys unionistische Partei DUP, eine Regierungsbeteiligung von Sinn Fein zuzulassen, die als politischer Verbündeter der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) gilt.
Gemäß dem Nordirland-Abkommen von 1998 soll eine aus britischen Unionisten und irischen Nationalisten gebildete Regierung weitgehend autonom die Geschicke der britischen Provinz lenken. Das so genannte Karfreitagsabkommen gilt als Meilenstein auf dem Weg zur Befriedung der Region, in der binnen drei Jahrzehnten politisch motivierter Gewalt mehr als 3.600 Menschen getötet worden waren. Großbritannien hat die Selbstverwaltung jedoch seit Oktober 2002 ausgesetzt, nachdem das unionistische Lager der IRA Spionage vorgeworfen und es Streit um die Entwaffnung der Extremisten-Gruppe gegeben hatte.
(apa)
