Freitag, 3. Dezember 2004

PISA-Studie wird veröffentlicht: Warten auf
Zeugnis der Bildungspolitik hat ein Ende!

  • Heimische Schüler haben in allen Kategorien abgebaut
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Heute werden die langersehnten Ergebnisse der von der OECD durchgeführten PISA-Studie präsentiert. Zwar sind bereits einzelne Details über die Platzierungen Österreichs durchgesickert, doch die genauen Auswertungen inklusive des Vergleichs mit anderen Staaten, Angaben über die Verteilung der Ergebnisse auf die einzelnen Schultypen oder sozialen Schichten etc. werden erst heute vor Journalisten bekannt gegeben. Veröffentlicht darf der Bildungsvergleich allerdings erst morgen werden. Das offenbar schlechte Abschneiden Österreichs hatte letzte Woche bereits heftige Diskussionen ausgelöst.

Zwar publiziert die OECD mit "Education at a Glance (Bildung auf einen Blick)" jährlich eine große Bildungsvergleichs-Studie. Diese unterliegt allerdings immer wieder Kritik, da sie die unterschiedlichen Bildungssysteme über einen Kamm schere und auf Grund unterschiedlicher Voraussetzungen etwa bei den akademischen Abschlüssen zu falschen Ergebnissen führe. Bei PISA ist eine Relativierung der Ergebnisse nicht so leicht möglich: Das Programme for International Student Assessment (PISA) vergleicht nämlich die Leistungen gleichaltriger Schüler mittels einheitlicher Tests - "standardisierte Leistungsmessung" heißt das im Fachjargon.

Darüber hinaus wird die Untersuchung alle drei Jahre durchgeführt - damit kommt man neben "Ist-Aufnahmen" auch zu Längsschnitt-Daten, die die Entwicklung in den einzelnen Staaten über einen längeren Zeitraum widerspiegeln. Erhoben werden auch demographische Daten (Alter, Geschlecht, Muttersprache etc.) sowie der sozioökonomische Hintergrund (z.B.: Beruf und Schulbildung der Eltern) und Fragen zum Unterricht und die Schulressourcen.

Studie dient zur Einschätzung der Wirkung der Bildungspolitik
Die Ergebnisse der Studie sollen den Teilnehmerstaaten "als Grundlage von schulpolitischen Entscheidungen sowie zur Einschätzung und Kontrolle der Effektivität des jeweiligen Bildungssystems dienen", heißt es seitens des österreichischen PISA-Zentrums. Der direkte Vergleich dieser Ergebnisse mit den Leistungsstandards der anderen Teilnehmerstaaten erlaubt eine Beurteilung von Stärken und Schwächen der Bildungssysteme.

Österreichs Schüler haben abgebaut
Über die Ergebnisse ist bisher nur das Gesamtresultat Österreichs bekannt: Laut Medienberichten verschlechterten sich die 15- bis 16-jährigen österreichischen Schüler gegenüber der PISA-Studie 2000 im Lesen von Platz zehn auf 19, in den Naturwissenschaften von acht auf 20 und in der Mathematik von elf auf 15. Auch bei den erreichten Punktezahlen gibt es durchgehend ein Minus zu verzeichnen: Demnach kamen die heimischen Schüler im Lesen auf 491 Punkte (2000: 507), in den Naturwissenschaften auf ebenfalls 491 (2000: 519) und in der Mathematik auf 506 (2000: 515). Ganz vorne dürfte wieder Finnland landen.

Auch über die Ursachen über die schlechteren Resultate wurde schon debattiert. Genannt wurde immer wieder ein durchaus profaner Grund: Bei der ersten PISA-Studie 2000 sei durch die Untergewichtung der schlechter lesenden Berufsschüler ein methodischer Fehler gemacht worden. Österreich hätte damals demnach gar nicht so gut abgeschnitten, wie dies immer wieder medial verkauft wurde. Ein weiterer Grund: Heuer wurden rund zehn Staaten mehr getestet als vor drei Jahren - allerdings finden sich darunter hauptsächlich Nicht-OECD-Länder.

Ergebnisse, wie sie jetzt in Österreich drohen, führten in Deutschland vor drei Jahren zu einer monatelangen Bildungsdebatte und der Einleitung zahlreicher Maßnahmen. Unter anderem wurde ein Programm zum Ausbau von Ganztagsschulen gestartet. In der neuen PISA-Studie hat sich Deutschland leicht verbessert und liegt praktisch gleichauf mit Österreich.

Finnland wiederum mutierte in den vergangenen drei Jahren zum Tourismusgebiet für Bildungspolitiker und Journalisten. Darüber hinaus wurde sein Bildungssystem zum Vergleichsobjekt mit den Einrichtungen anderer Staaten.
(apa/red)

3.12.2004 17:19