Freitag, 3. Dezember 2004

Lokal in Wiener Innenstadt explodiert: Ursache war vermutlich ein Anschlag!

  • Insgesamt drei Verletzte, Lokal brannte komplett aus
  • Haus in der Annagasse 12 ist nicht einsturzgefährdet

Die Explosion in der Nacht auf Freitag in dem Lokal "Beck's" in der Wiener Innenstadt war laut Kriminaldirektion 1 (KD 1) offenbar ein Anschlag: Nach dem bisherigen Ermittlungsstand könnte der bei der Detonation schwerst verletzte Mann versucht haben, mit Benzin oder anderen Brand beschleunigenden Stoffen ein Feuer zu legen. Dabei könnte es zu einem Unfall gekommen sein: Die Dämpfe entzündeten sich nach dieser Theorie an der Heiztherme, das Lokal flog mitsamt dem Mann in die Luft. Das "Beck's" wurde völlig zerstört, die Annagasse in eine Trümmerwüste verwandelt.

Dr. Ernst Geiger, Leiter der KD 1, am Nachmittag zur APA: "Das ist nach dem bisherigen Ermittlungsstand das Wahrscheinlichste. Das muss aber noch alles genau untersucht werden." Geiger zufolge hatte es vor zwei Monaten im polnischen Staatsbürgern gehörenden "Beck's" einen Schutzgelderpressungsversuch gegeben. Am vergangenen Wochenende kam es zu einer Messerstecherei. Ob diese mit der Explosion in Verbindung steht, war zunächst unklar. Die Identität des Schwerstverletzten war am frühen Nachmittag nicht bekannt.

Verdächtiger schwerst verletzt
Der etwa 30-jährige Verdächtige - seine Identität war zunächst nicht bekannt - wurde schwerst verletzt, er erlitt Verbrennungen dritten Grades im Gesicht und am Oberkörper. Insgesamt wurden bis zu 80 Prozent seiner Haut zerstört. Er dürfte das verschlossene Lokal aufgebrochen haben. Zudem gab es unter den Hausbewohnern drei Leichtverletzte.

Lokal völlig zerstört
Zwischen 4.30 und 4.40 Uhr zerriss ein ohrenbetäubender Knall die Nachtruhe. Aus dem Lokal wurden Türstöcke und Fenster durch die Druckwelle in das Gebäude gegenüber geschleudert, in dem sich ebenfalls eine Bar befindet. Das "Beck's" brannte völlig aus. Im Hof des Hauses fing ein Pkw Feuer, er wurde mit Schaum gelöscht. Zudem gerieten die Holzbalkone in Brand.

Bange Minuten für Hausbewohner
Die Hausbewohner waren eingeschlossen. Sie wurden laut Sprecher Alexander Markl von der Feuerwehr aus dem Haus geborgen. Die Einsatzkräfte beruhigten von Drehleitern aus die Anrainer und brachten sie über die Stiege in Sicherheit, sobald das gefahrlos möglich war. Für sie wurden Ersatzwohnungen organisiert. Die Verbrennungen des Schwerstverletzten wurden von den Einsatzkräften gekühlt, bis die Rettung eintraf.

Keine Einsturzgefahr
Gegen 6.00 Uhr war der Brand unter Kontrolle. In der Früh wurde das Gebäude auf Einsturzgefahr kontrolliert, die aber nicht gegeben war. Markl zur APA: "Es ist klarerweise derzeit aber nicht bewohnbar." Die Feuerwehrmänner hatten zur Bergung der Bewohner die Türen eingetreten, zudem waren die Fenster durch die Detonation geborsten.

"Habe geglaubt, es ist ein Erdbeben"
"Es war so ein Knall, dass ich geglaubt habe, es ist ein Erdbeben." So schilderte ein Bewohner des Hauses der APA seine Erlebnisse nach der Explosion. Im Hotel Römischer Kaiser in der Annagasse 16 nahm der Nachtportier Andy Hana eine Feuerwalze wahr, die durch die Straße rollte. "Dann gab es eine riesige schwarze Wolke. Ich habe die Gäste aufgeweckt." Durch die Explosion waren die Telefon- und Internetverbindungen des Hotels gekappt.

Die US-Touristin Deborah Carlton und ihre Tochter wachten von allein durch die Explosion auf. "Ich hörte zwei Detonationen und sah eine riesige Feuerwand. Dann schrie ein Mann 'Feuer', und eine Frau rief um Hilfe. Das Nächste war dann, dass ich mich anzog, mir die Kamera griff und auf die Straße rannte, um Fotos zu machen", erzählte die Frau aus Washington D.C.

(apa)

3.12.2004 16:14