Nach Totalabsturz: Noch vor PISA-Publikation suchen alle nach Schuldigen!
- Gehrer: Eltern mitverantwortlich. Heftige SPÖ-Kritik
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Noch vor der für kommenden Dienstag geplanten Publikation der neuen PISA-Studie läuft die gegenseitige Zuweisung der Verantwortung für den zu erwartenden Rückfall der heimischen Schüler in der internationalen Schüler-Vergleichsstudie auf Hochtouren. Ausgelöst hat die neue Welle der Schuldzu- und -abweisungen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, die erklärt hat, dass sich Eltern "immer weniger Zeit für die Kinder nehmen und viele grundsätzliche Aufgaben von den Schulen und den Lehrern übernommen werden müssen".
Solche "pauschale Bewertungen" seien falsch und nicht nachvollziehbar, meinte SP-Familiensprecherin Andrea Kuntzl, die Verantwortung für ein gutes Maß an Bildung liege in der Schule. Der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz kritisierte die "moralisierenden Appelle an die Eltern". Gehrer sei "offenbar entgangen, dass es die 'heile Welt' nicht gibt und die Möglichkeiten von und für Familien zur Förderung ihrer Schulkinder höchst unterschiedlich sind", so Brosz in einer Aussendung.
VP-Bildungssprecher Werner Amon sprach sich gegen gegenseitige Schuldzuweisungen noch vor offizieller Veröffentlichung der Studie aus. "Man darf es sich nicht so einfach machen, DIE Eltern, DIE Lehrer oder DIE Bildungspolitik für wie auch immer geartete Ergebnisse pauschal verantwortlich zu machen", so Amon. Zwei Hauptgründe für die Ergebnisse der PISA-Studie hat FPÖ-Familiensprecherin Barbara Rosenkranz ausgemacht: die große Anzahl an Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache und den bilingualen Unterricht.
"Eltern vom Schulleben ferngehalten"
Der Bundesverband der Elternvereine an Mittleren und Höheren Schulen in Österreich verwies darauf, "dass es jahrelang Schulpolitik war, Eltern dem Schulleben fern zu halten". Es habe geheißen, "Kinder müssen lernen selbstständig zu arbeiten, bitte keine Aufgaben verbessern, das müssen Kinder alleine schaffen". "Elternvereine wurden immer öfter zu Geldbeschaffungsvereinen degradiert", so die Vorsitzendes des Bundesverbands, Margit Johannik.
Ausgaben pro Schüler: Österreich im Spitzenfeld
Am mittelmäßigen Abschneiden Österreichs nicht schuld sein dürften hingegen zu geringe Ausgaben für die Schüler. Das zeigt ein internationaler Vergleich der jährlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen pro Schüler laut OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2004" mit dem erwarteten Abschneiden von Ländern bei der neuen PISA-Studie. Demnach liegt Finnland, das wieder in allen getesteten PISA-Kategorien einen Spitzenplatz einnehmen soll, bei seinen Bildungsausgaben sogar knapp unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. Österreich hingegen zählt zur Spitzengruppe bei den Ausgaben pro Schüler. Wie die PISA-Ergebnisse nur durchschnittlich sind hingegen die österreichischen Bildungsausgaben, wenn man sie am Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst.
Die Einführung einer kostenlosen Vorschule, einer gemeinsamen Schule der Sechs- bis 15-Jährigen und ein Abgehen von der starren 50-Minuten-Unterrichtsstunde verlangt die Armutskonferenz. In Staaten wie den PISA-Siegern Finnland und Kanada gelinge es wesentlich erfolgreicher als in Österreich, die Chancen von Kindern mit unterschiedlicher sozialer Herkunft zu wahren. (apa/red)
