NEWS: Hilfe, die Adventräuber kommen! Gerissene Banden und machtlose Polizisten
- Heuer bereits 112 Überfälle auf Banken und Postämter
- Einmalig in der österreichischen Kriminalgeschichte
Österreichweit haben die Panzerknacker von Jänner bis Ende November 112-mal zugeschlagen - das bedeutet ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Und das, obwohl etwa in Wien die Kriminalität insgesamt leicht rückläufig ist.
Vor allem in der Adventzeit nimmt die Angst bei den Bankangestellten zu. Der Dezember gilt - bedingt durch die prallen Kassen des Weihnachtsgeschäftes - als der Lieblingsmonat der Räuber. Die heimischen Kriminalisten fürchten, dass die Banden bis zum Heiligen Abend an mehreren Orten gleichzeitig zuschlagen. Längst kalkulieren die Ganoven damit, dass die personell unterbesetzte österreichische Polizei hinten und vorne nicht mehr nachkommt.
Ein Coup läuft unter zwei Minuten ab
Einer aktuellen Studie zufolge bleiben 44 Prozent der Täter bei ihrem Coup unter der Zwei-Minuten-Marke, 45 Prozent brauchen zwei bis fünf Minuten, 7 Prozent fünf bis zehn Minuten, der Rest bleibt darüber - und über. Der Großteil schreitet zwischen 14 und 16 Uhr (25 Prozent), donnerstags (22 Prozent) oder freitags (26 Prozent) zur Tat. Die am meisten belasteten Monate sind Februar, Juli und eben der vorweihnachtliche Dezember.
Faktum ist auch: Nur 57 Bankräuber konnte die Exekutive dieses Jahr überführen - berücksichtigt man, dass die Verbrecher im Schnitt zu dritt operieren, sind das gerade mal 19 geklärte Fälle. Der Großteil der überführten Verdächtigen stammt aus Bosnien, gefolgt von Kroatien, Ungarn und Russland.
45 Prozent mehr Einbrüche
Nicht viel besser fällt die Erfolgsbilanz des Innenministeriums aus, wenn es darum geht, Einbrechern das Handwerk zu legen: Mit Stichtag 31. Oktober 2004 gab es heuer 15.718 "Brüche" - eine Zunahme von 45 Prozent. Erwischt wurden 12.723 Täter, darunter 6.636 Österreicher (52,16 Prozent). Die Liste der erfolglosen Kriminaltouristen führen die Rumänen an (1.343 Festgenommene), dahinter liegen die Jugoslawen (1.110), die Bosnier (557), die Moldawier (519), die Polen (421), die Georgier (333) und die Ungarn (306).
28,2 Prozent der überführten Straftäter sind Ausländer - damit hat ihr Anteil um 2,3 Prozent gegenüber 2003 zugenommen. In den ersten zehn Monaten 2004 wurden 56.172 Verdächtige mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft angezeigt (siehe Kasten). Unter ihnen sind die meisten "Kriminaltouristen", die für einen oder zwei Tage einreisen.
Hochburg ist die Wiener Shopping City Süd
Österreichs kriminelle Hochburg ist die Shopping City Süd in Vösendorf. Dieses Einkaufszentrum weiß sich der Langfinger und Autoeinbrecher kaum noch zu erwehren. Aus diesem Grund machte die niederösterreichische Kriminalabteilung eine Schwerpunktaktion: 100 Beamte patrouillierten in der SCS. Oberst Franz Polzer, Chef der Kriminalabteilung Niederösterreich, über das Gefahrenpotenzial: "Die meisten Opfer bei Autoeinbrüchen und Taschendiebstählen sind Frauen. Sie lassen sehr oft wertvolle Dinge wie Laptops, Geldbörsen und Handys sichtbar im Auto liegen. Und ihre Handtaschen haben sie häufig geöffnet um die Schultern hängen." Der Top-Ermittler sieht darin geradezu eine Einladung an Kriminelle.
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