Mittwoch, 1. Dezember 2004

PISA-Studie endet für Österreich im Mega- Debakel: Absturz in sämtlichen Kategorien!

  • Auch in Mathematik wurden unsere Schüler schlechter
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Knapp eine Woche vor der offiziellen Präsentation der neuen PISA-Studie lichten sich die Nebel über den (mehr oder weniger gut) unter Verschluss gehaltenen Daten. Das Nachrichtenmagazin NEWS präsentierte die Platzierungen Österreichs in dem internationalen OECD-Ranking - Resultat: Österreich stürzte in allen drei bereits in der ersten PISA-Studie 2000 getesteten Kategorien ab. Demnach verschlechterten sich die 15- bis 16-jährigen österreichischen Schüler im Lesen von Platz zehn auf 19, in den Naturwissenschaften von acht auf 20 und in der Mathematik von elf auf 15. Auch bei den erreichten Punktezahlen gibt es durchgehend ein Minus zu verzeichnen.

Laut ORF-"Report" ganz vorne findet sich in jeder der drei Kategorien Finnland. NEWS publizierte wiederum erstmals die von Österreich erreichten Punktezahlen: Demnach kamen die heimischen Schüler im Lesen auf 491 Punkte (2000: 507), in den Naturwissenschaften auf ebenfalls 491 (2000: 519) und in der Mathematik auf 506 (2000: 515).

Gehrer: "Auch Eltern verantwortlich"
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) sieht die Verantwortung für Österreichs Rückfall in der PISA-Bildungsstudie nicht nur bei den Schulen: "Es gibt viele Bereiche, die zusammenwirken. Die Eltern sind dafür mitverantwortlich. Sie nehmen sich immer weniger Zeit für die Kinder und es müssen viele grundsätzliche Aufgaben von den Schulen und Lehrern übernommen werden", sagte die Ministerin im "Standard".

Grüne: "Desaströs"
Als "desaströs" bezeichnete der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz den zu erwartenden Absturz Österreichs im naturwissenschaftlichen Bereich. Dazu komme noch, dass die naturwissenschaftlichen Gegenstände von den Stundenkürzungen im Vorjahr besonders betroffen gewesen wären. Ähnlich äußerte sich auch der Rektor der Technischen Universität (TU) Wien, Peter Skalicky. Außerdem ortete er an den Schulen sinkende Motivation für die Beschäftigung mit Naturwissenschaften. Das mangelnde Interesse an Physik, Chemie und Mathematik sei allerdings auch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und "Spezifikum unseres Kulturkreises".

Haider will mehr Schul-Autonomie
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) will als Konsequenz aus PISA den Schulen mehr Autonomie geben: Die Schuldirektoren sollten die Kompetenz erhalten, sich die Lehrer aussuchen zu können, die sie einstellen wollen. "Kein großes Wunder" ist das Absacken Österreichs für den Wiener FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. Zurückzuführen sei dieses auf den "überaus hohen Anteil von Ausländerkindern in den Wiener Schulen". Er fordert daher eine Begrenzung des Anteils von Kindern ohne ausreichende Deutschkenntnisse pro Klasse auf 20 Prozent - die Wiener SPÖ nennt das ein "Apartheid-Modell" und sieht die Verantwortung für das Abrutschen bei "der Bildungspolitik der schwarz-blauen Bundesregierung".

SPÖ fordert parlamentarische Enquete
ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon sieht das österreichische Schul- und Bildungssystem bei Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) hingegen "in guten Händen". Die PISA-Ergebnisse will er vor allem "hinsichtlich der regionalen Schwachstellen" beleuchten. Die SPÖ fordert eine parlamentarische Enquete zum Thema PISA.

Leistungstest wird alle drei Jahre durchgeführt
Mit dem größten internationalen Schüler-Leistungstest PISA (Programme for International Student Assessment) werden alle drei Jahre Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler in derzeit rund 30 Industriestaaten sowie in zehn Nicht-OECD-Ländern am Ende der Schulpflicht untersucht. Veranstalter ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Abgetestet werden die Kompetenzen der Jugendlichen in den Gebieten Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und - 2003 erstmals - "Problemlösen".

Die offizielle Präsentation der Studie ist für den 7. Dezember geplant. In den vergangenen Tagen waren in Österreich und Deutschland immer wieder einzelne Teilergebnisse durchgesickert. Gegenüber der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 haben heuer mehr Staaten - vor allem Nicht-OECD-Länder - teilgenommen.

(apa/red)

1.12.2004 20:21