Sind unsere Schüler wirklich so schlecht? Kinder fallen in allen Kategorien klar zurück
- Absturz in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften
- Für 31 Prozent ist Ministerin Gehrer schuld an Ergebnis
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Der Nebel um die Österreich-Ergebnisse der PISA-Studie 2003 lichtet sich immer mehr: Der ORF-"Report" hat am Dienstag Abend die Platzierungen der heimischen 15- bis 16-jährigen Schüler in den bereits in der ersten Untersuchung 2000 getesteten Kategorien Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften veröffentlicht. Demnach verschlechterten sie sich im Lesen von Platz zehn auf 19, in den Naturwissenschaften von acht auf 20 und in der Mathematik von elf auf 15.
Laut "Report" ganz vorne findet sich jeweils Finnland - diese Information hat bereits das deutsche Magazin "Stern" in der Vorwoche publiziert. Leichte Diskrepanzen um ein bis zwei Plätze gibt es hingegen bei den vom "Report" und jenen von der deutschen Nachrichtenagentur dpa in der Vorwoche publizierten Platzierungen für Deutschland (Lesen - "Report":18, dpa: 20; Naturwissenschaften - "Report" 15, dpa: 16; Mathematik - "Report": 16, dpa: 17) Diese könnten sich durch etwaige ex-aequo-Platzierungen erklären lassen. Keine Angaben gibt es bisher allerdings über die von den einzelnen Staaten erreichten Punktezahlen.
Für 31 Prozent Gehrer Schuld
"Report" ging weiters der Frage nach, wer für diesen eklatanten Rückfall im Vergleich zu früheren Erhebungen verantwortlich ist. Auf die Frage, ob dies ein Ergebnis der Bildungspolitik von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) sei oder diese Probleme schon viel früher entstanden wären, schiebt jeder Dritte (31 Prozent) der seit knapp zehn Jahren amtierenden Gehrer den "Schwarzen Peter" zu. Eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent ist hingegen überzeugt, dass die Ursachen schon früher entstanden sind, zwölf Prozent wissen keine Antwort auf diese Frage.
Nur wenige Österreicher outen sich in der Umfrage als Fans der Gesamtschule: 15 Prozent glauben, dass die Zusammenführung von AHS- Unterstufe und Hauptschule die Leistungen der österreichischen Schüler verbessern würde. 35 Prozent sind überzeugt, dass dies zu einer Verschlechterung der Leistungen führen würde, ebenso viele glauben, dass dies keine Auswirkungen haben würde.
Die PISA-Ergebnisse werden offiziell erst am 7. Dezember präsentiert. Durchgesickert ist auch bereits das Abschneiden Österreichs Schüler bei der Lese-Kompetenz, nämlich ein Absturz vom zehnten auf den 19. Platz.
Mit dem größten internationalen Schüler-Leistungstest PISA (Programme for International Student Assessment) werden alle drei Jahre Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler in rund 30 Industriestaaten sowie in zehn Nicht-OECD-Ländern am Ende der Schulpflicht untersucht. Veranstalter ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Abgetestet werden die Kompetenzen der Jugendlichen in den Gebieten Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und "Problemlösen".
Neuer Vorschlag Haiders
Einen neuen Vorschlag zum Thema Schulautonomie machte am Dienstagabend der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F): Die Schuldirektoren sollten die Kompetenz erhalten, sich die Lehrer aussuchen zu können, die sie einstellen wollen.
Rot-schwarz schuld
Haider erklärte in seiner Rede beim FPÖ-Sonderparteitag in Villach, am schlechten Abschneiden Österreichs in der jüngsten PISA-Studie sei die rot-schwarze Regierung schuld, die alle Schulthemen in den Verfassungsrang erhoben hätte, wodurch kaum Änderungen möglich seien. Wichtige Reformen könnten nicht umgesetzt werden, da die SPÖ dies verhindere.
Statt sich um Konzepte für die Bildung zu kümmern und Inhalte zu diskutieren, gehe es in den Debatten meist nur um Postenvergaben, kritisierte Haider. Seine Alternative: Anstatt die Bildungspolitik einzuzementieren, solle die Autonomie der Schulen gestärkt werden. "Die Direktoren sollen sich jährlich die Lehrer aussuchen dürfen, die sie einstellen wollen", schlug Haider vor, "damit sie die Guten anstellen".
(apa/red)
