Nach Seilbahn-Zwischenfall in Sölden: Ministerium suspendiert zwei Mitarbeiter!
- Mitarbeiter sollen einvernommen werden
- PLUS: Die dramatische Rettungsaktion in Bildern
·"Potenzierung von Schwingungen"
Auslöser für Tiroler Seil- bahn-Unglück ist gefunden
·BILDER: Rettungs-aktion im Ötztal!
113 Passagiere mussten einzeln abgeseilt werden
·Seilbahnen werden regelmäßig gecheckt
Alle fünf Jahre wird TÜV-Generalcheck durchgeführt
Nach dem spektakulären Seilbahn-Zwischenfall am Tiroler Rettenbachferner im Ötztal Mitte November hat das Verkehrsministerium zwei Mitarbeiter der Gletscherbahnen vom Dienst suspendiert. Dies teilte der kaufmännische Geschäftsführer, Jakob Falkner, mit. Unklar war vorerst, ob die Bergbahnen gegen den Bescheid rechtliche Mittel einlegen. Dies soll am Mittwoch nach einem Gespräch Falkners im Ministerium entschieden werden.
Die Bergbahnen würden von sich aus keine Mitarbeiter suspendieren, betonte Falkner. Die betroffenen Mitarbeiter hätten sich beim Schadensvorfall laut Aussage der vor Ort tätigen Sachverständigen entsprechend der Betriebsvorschriften ordnungsgemäß verhalten. Die Entscheidung des Ministeriums wolle er nicht kommentieren. Man werde alles daran setzen, um eine lückenlose Aufklärung zu ermöglichen.
Mitarbeiter sollen einvernommen werden
Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums bezeichnete den erlassenen Bescheid als "ganz normale Sache". Man nehme den Zwischenfall "sehr, sehr ernst" und wolle mit Einvernahmen der beiden Mitarbeiter lückenlos klären, ob Vorschriften der Betriebspflicht verletzt worden seien. Bis wann die vorläufige Suspendierung aufgehoben werde, sei vorerst nicht abzuschätzen.
Als "oberster Seilbahnbehörde" stehe dem Ministerium rechtlich ein derartiger Schritt zu. Immerhin habe es sich um eine "außergewöhnliche Situation" gehandelt.
Nach bisherigem Ermittlungsstand soll eine "Potenzierung von Schwingungen" der Auslöser für den spektakulären Seilbahn-Zwischenfall gewesen sein. Zunächst hatte sich das Steuerseil mit einer leeren, talwärts fahrenden Kabine verhängt, was die Verantwortlichen in Berg- und Talstation zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht registrieren hätten können. Drei Minuten später sei es zum Stillstand der Bahn gekommen.
Nachdem das von der Seilbahngesellschaft als zusätzliche Sicherungsmaßnahme installierte so genannte RPD-Seilauflageüberwachungssystem keinen Fehler angezeigt und die Kommunikation zwischen Berg- und Talstation funktioniert habe, sei der Notbetrieb eingeleitet worden. Nach zwei Metern Fahrt habe sich gegen 14.20 Uhr die talwärts fahrende Gondel verhängt, die Klemme sei vom Seil gerissen worden, die Gondel abgestürzt und das Steuerkabel endgültig gerissen. Um 14.25 Uhr wurde der Rettungseinsatz zur Bergung der 113 Passagiere eingeleitet, der um 21.05 Uhr abgeschlossen wurde.
Die Bergbahnen sehen sich derzeit nicht nur mit dem am Montag zugestellten Bescheid des Ministeriums konfrontiert. Von einem deutschen Anwalt waren zudem Schadenersatzforderungen angedroht worden. Er vertritt Passagiere der Gondelbahn.
Im Verkehrsministerium wollte auf APA-Anfrage vorerst niemand den nun erlassenen Bescheid kommentieren. (apa/red)
