Match der Menschlichkeit

Österreichs Wohltäterinnen: Ihre Adventoffensive, ihre Erfolgsbilanz. Salondamen gegen rote Ladys die stille Rivalität.
Margots Abschied: Die feierliche Ehrung für ihren Charity-Marathon, ihr berührender Abgang aus der Wiener Society.
The Making of Margit war kein strategischer Schnellschuss: Schon im Hochsommer begab sich die eben inthronisierte First Lady unter strengster Diskretion ins Fotostudio. Fristgerecht vor der Bescherung ziert das Produkt der hitzigen Session nun die Plakatwände: Frau Fischer, sanft lächelnd, flankiert von herzigen Kindern. Ich spende. Spenden ist Solidarität, so die mütterliche Botschaft des präsidialen Volkshilfe-Testimonials.
Machts keinen großen Wind um die Sache, winkt der Bundespräsident mit staatsmännischer Grandezza ab, denn die karitative Marschroute von Österreichs ranghöchster Charity-Lady lautet: Gutes tun und nobel schweigen aus nachvollziehbarem Grund. Immerhin wird das Wort der Präsidentengattin ohnedies über 1.000 Plakate, 1.500 Haltestellen-Werbetafeln und 150.000 Zahlscheine mit Margit-Konterfei unters Volk gebracht.
Neue Verhältnisse. Adventbeginn das alljährliche Match um die Menschlichkeit und Millionenspenden ist termingerecht vor der großen Auftaktgala von Licht ins Dunkel (1. Dezember, 20.15 Uhr, ORF 2) eröffnet. Und zwar unter neuen Vorzeichen: Nach dem feierlichen Abschied von Margot Klestil-Löffler, die am Dienstag einen Ehrenpreis für ihr karitatives Lebenswerk entgegennahm und sich im Rahmen der Würdigung aus der Wiener Society verabschiedete (siehe Kasten), haben sich die Mehrheitsverhältnisse auf dem Christkindlmarkt der Mildtätigkeit dramatisch verschoben.
War die weihnachtliche Charity seit Sonja Klimas Abgang fest in den Händen der bürgerlichen Salondamen, so sind dank Machtwechsel in der Hofburg nun auch die linken Ladys startklar: Fischer wirbt, Eva Steiner, Quasi-Gattin von SP-Chef Alfred Gusenbauer, kocht für Kinder, Bürgermeistersgattin Helga Häupl sammelt für die Brustkrebsforschung. Und auf der wertkonservativen Gegenseite, da öffnet Martina Fasslabend, Gattin von Ex-VP-Verteidigungsminister Werner, nach alter Tradition für misshandelte Kinder den Klingelbeutel flankiert von Maria Graff, Gattin von Ex-VP-Justizminister Michael, die sich in den Dienst rumänischer Waisenkinder stellt.
Erstere müssen aus Glaubwürdigkeitsgründen betont unspektakulär und unglamourös auftreten, Letztere setzten auf geschmückte, funkelnde Damenhaftigkeit, erklärt Motivforscherin Helene Karmasin das neue Kontrastprogramm der Wohltätigkeit.
Lady Alfons. Jede, die Gutes tue, ist im rotweißroten Charity-Club herzlich willkommen, üben sich die wichtigsten Protagonistinnen beider Lager in sportlicher Fairness. Entertainer Alfons Haider, laut Eigendefinition Österreichs einzige männliche Charity-Lady, bringt die offizielle Sprachregelung der Spendensammlerinnen auf den Punkt: Es ist völlig egal, wie die Damen dank ihrer geborgten Popularität helfen solange sie helfen.
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