Mittwoch, 24. November 2004

Die Speed-Könige

Kampfansage: Hermann Maier und Co wollen bei den Übersee-Rennen zurückschlagen und den ersten Saisonsieg feiern.
Quali-Stress: Im stärksten Skiteam der Welt tobt der Generationenkampf. Wie die Jungen um die WM-Tickets mitfighten.
Im Blickpunkt: Das Duell Maier gegen Miller, Rahlves & Aamodt. Und: Der Angriff der jungen ÖSV-Garde.

Als Hermann Maier vergangenen Montag am frühen Nachmittag die Ortstafel von Lake Louise passierte, huschte ein kurzes Lächeln über sein Gesicht. „Schön ist es da“, sagte der Ski-Superstar und bezog Minuten später sein Einzelzimmer mit See- und Gletscherblick im noblen Österreicher-Quartier, dem Fairmont Château Lake Louise, einer der weltweit führenden Bettenburgen. In den kanadischen Rocky Mountains, da fühlt sich der Salzburger wohl, hat er doch hier alle drei von ihm bestrittenen Super-Gs gewonnen. Zuletzt vor einem Jahr, als er in dieser Disziplin im erst zweiten Rennen nach dem schweren Motorradunfall einen rotweißroten Vierfachtriumph anführte. Ein ähnlich sensationelles Ergebnis erhoffen sich Hermann Maier und Co auch diesmal.

Schlag auf Schlag. Im Unterschied zum Weltcupauftakt vor einem Monat in Sölden, wo traditionellerweise nur ein Riesentorlauf auf dem Programm stand, geht es ab sofort in allen Disziplinen und im Wochenrhythmus weiter. Start frei für die Tempobolzerei – bei der Abfahrt am Samstag und beim Super-G am Sonntag (jeweils ab 19.30 Uhr, live in ORF 1) wollen die ÖSV-Speedkönige ihren ersten Saisonsieg einfahren.

Während sich Läufer wie Maier keine Sorgen um ihren Startplatz machen müssen, kämpfen andere in nervenaufreibenden Ausscheidungsrennen um ihre Chance. Nach dem Rücktritt von Stephan Eberharter, dem Abfahrtsdominator der letzten Jahre, und Exweltmeister Hannes Trinkl hat sich die Sache im ÖSV-Herrenteam nicht entschärft. Im Gegenteil: Der Kampf um die Fixplätze ist härter geworden. Cheftrainer Toni Giger: „Unser Team befindet sich im totalen Umbruch. Junge Läufer drängen nach und wollen im Weltcup starten.“ So kämpfen für die Abfahrt am Samstag vier Athleten um einen Platz. Noch brisanter ist die Lage im Super-G, wo sich acht Rennläufer um drei Startplätze matchen. „Da ist es nicht immer einfach, die gute Stimmung aufrechtzuerhalten“, weiß Giger.

Stunde der Wahrheit. Zusätzliche Schärfe bekommt die Situation durch die zahlreichen Materialwechsel, die im Sommer vollzogen wurden. Und durch die Tatsache, dass die Österreicher mangels Schnee in Nordamerika in den letzten zwei Wochen nicht wirklich optimal trainieren konnten. Die Nervosität steigt von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde, je näher der Showdown rückt. Das weiß auch ORF-Topstar und NEWS-Kolumnist Armin Assinger: „Die Rennen in Lake Louise dienen nicht nur der Standortbestimmung, sondern sind für diejenigen, die einen Materialwechsel vornahmen, entscheidend. Ab jetzt gibt es keine Schönfärberei mehr, sondern nur noch Fakten“.

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24.11.2004 16:22