Mittwoch, 24. November 2004

Femme Musicale: Die neue Girl-Power

Nach den Austropop-Altvorderen Ambros, Fendrich & Danzer dominieren jetzt Frauen die heimische Musikszene. Alles über die etablierten und aufstrebenden Stars.

Tinnitus erzeugendes Kreischen, verursacht durch sich überschlagende Teenie-Stimmen, beschallten vergangenen Samstag die zum Bersten gefüllte Wiener Stadthalle. Zehntausend Fans fieberten unter Hochspannung lautstark dem Auftritt ihres Idols entgegen: Christina Stürmer, 23, absolvierte ihren finalen und größten Tourtermin. Es war ein eindrucksvoller Schlussakkord, nicht nur für die ausverkaufte Österreich-Tour, sondern auch für eine beispiellose, bis dato zweijährige Erfolgsgeschichte. Ähnliche Hysterie begleitete letztmals in den glorreichen Austropop-Zeiten der 80er Jahre Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich und Georg Danzer. Ab 26. 11. soll sich das Kollektiv bei der „Austro-Pop-Show“ des ORF an die Altvorderen erinnern.

Girlie-Wonder. Denn hört man durch die aktuelle „Austria Top 40“, dominieren eindeutig die weiblichen Stimmen das hiesige Geschäft. „Starmania“-Siegerin Verena Pötzl begründet: „Die Welt von heute möchte das Bild der starken, eigenständigen Frau bestätigt sehen.“ Sandra Pires ergänzt trocken: „Sex sells! Musik ist heute ein Produkt, und da sind Frauen eben besser zu vermarkten.“ Dialekt-Artistin Birgit Denk plädiert für die Emanzipation: „Jahrelang hat man sich gefragt, wo denn die Frauen in der Musikszene seien. Es war einfach an der Zeit zu sehen, was wir alles zu erzählen haben.“

Ton in Ton. Ob deutscher Pop, Funk, Country oder Rockmusik – die Vertreterinnen der heimischen Szene spielen alle Stücke. NEWS präsentiert die erfolgreichsten Austro-Musikantinnen:

  • Christina Stürmer. Entdeckt bei der ORF-Castingshow „Starmania“, eroberte die gelernte Buchhändlerin im Fortissimo die Hitparade. Eine Million verkaufter Tonträger später ist sie die unangefochtene Nummer eins. Noch heute fehlt es der Frontfrau an Starallüren: „Zu dem Ganzen gehört viel Glück. Ohne Management wäre es nicht so gut gelaufen.“

  • Tamee Harrison. Mit der Pop-Nummer „A Little Bit“ erregte die gebürtige Australierin mit österreichischen Wurzeln 2001 erstmals Aufmerksamkeit. Nach dem Wechsel zu Warner Music eroberte sie mit neuem Country-Style die Charts. Ihre aktuelle Single „Going To Paris“ schoss auf Platz fünf, im Frühjahr folgt ein selbst getextetes Album.

  • Verena Pötzl. Ganz auf Frauenpower eingestellt, entschied die Tiroler Röhre die zweite Staffel von „Starmania“ für sich. Ihr Album „Taken Unaware“ erlangte darauf hin Goldstatus. Derzeit mit ihrer Coverversion der Guns-N’-Roses-Ballade „Patience“ am Markt.

  • Vera Böhnisch. Mit ihren 18 Jahren blickt das ehemalige „Starmania“-Küken auf eine zweijährige Karriere zurück. Sie debü-tierte mit selbst geschriebenem HipHop und veröffentlichte nun ihr zweites Album, „Welcome To My Record Bag“.

  • Sandra Pires. Ihren Durchbruch schaffte die Kleine mit der großen Stimme 1998 mit der Eros-Ramazzotti-Neuinterpretation „Here I Am“. Heute reüssiert sie in Portugal und mimt 2005 im Musical-Klassiker „The Sound of Music“ an der Wiener Volksoper die Hauptrolle „Maria von Trapp“.

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    24.11.2004 16:13