Allahs treue Kinder: Die Parallelwelten der Muslime
- Drohen auch in Österreich holländische Zustände?

·Wien: Stadträtin will
Feiertag für Muslime
NEWS-Politikerdiskussion:
Strache für Kopftuchverbot
Gegenwelten: 340.000 Muslime leben in Österreich. Viele von ihnen in ihrer eigenen Welt. Bei drei Hand voll sieht die Staatspolizei Gefahrenpotenzial.
Gegensätze: Verschleierte Frauen, Musliminnen im Patriarchat: zwangsverheiratet, weggesperrt. Daneben moderne, integrierte Jugendliche.
Sezen aus Wien war 16, als sie zum ersten Mal ihre eigentliche Heimat sah. Viel hatten ihr die Eltern schon über die Türkei erzählt, aber in Wahrheit, sagt die junge Frau jetzt, wusste ich gar nichts über dieses Land. Und dann, in diesem Sommer 2000, besuchten wir unsere Verwandten in Antalya
Am Strand sah Sezen Mädchen in knappen Bikinis; Mädchen, die abends über die Straßen flanierten; Mädchen, die Miniröcke trugen. Und diese Mädchen waren Türkinnen. Und ich verstand nichts mehr.
Weil ihr die Welt, die sie nun sah, genauso fremd war wie die Welt, in der sie bis dahin als Türkin in Österreich gelebt hatte. Wo es auch so viele modisch gekleidete Mädchen gab, die ihr strenggläubiger Vater nur Huren nannte. Freundschaften zu Österreichern waren ihr deshalb immer verboten gewesen, schon in der Hauptschule musste sie ein Kopftuch tragen, und später durfte ich nicht einmal eine Lehrausbildung beginnen weil meine Familie meinte, dass Frauen sowieso nur eine Aufgabe haben: eine gute Ehefrau und Mutter zu sein.
Zwangsheirat. Jedenfalls: Nur wenige Wochen nach der Rückkehr aus Antalya wurde Sezen an einen 12 Jahre älteren Landsmann verheiratet: Ich liebte ihn nicht, doch mein Vater sagte: ,Du musst gehorchen. Die Ehe entwickelte sich zum Alptraum, immer wieder gab es Vergewaltigungen, Schläge.
Die Eltern verwehrten ihr jede Hilfe, meine Mutter meinte nur: Mach uns keine Schande. Letzte Chance: Ich floh in ein Frauenhaus. Heute lebt Sezen bei einer Freundin am Rande von Wien. Die Wohnung verlässt sie selten: Ich habe Angst, dass mich mein Mann findet. Denn das wäre wahrscheinlich mein Todesurteil
Der Fall van Gogh. Sezens Schicksal erinnert an das jener Muslimin, die im Skandalfilm Unterwerfung über ihr Höllendasein als Frau in der islamischen Gesellschaft berichtet, begleitet von provokanten Bildern, die gedemütigte Frauenkörper mit Koranversen zeigen unter dem Schleier nackt. Folge: Der Regisseur, der Holländer Theo van Gogh, wurde von einem in den Niederlanden geborenen Fundamentalisten regelrecht abgeschlachtet.
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