Mittwoch, 24. November 2004

AKH Wien: Zu Tode gespart?

Allgemeines Krankenhaus Wien: Eines der besten Spitäler der Welt in einer schweren Finanzkrise. Professoren proben den Aufstand. Veraltete Geräte, bröselnde Bausubstanz, gekürzte Budgets: Europas größtes Spital in Nöten

"Die Lage ist bedrohlich“, sagt Michael Zimpfer, der Chef der AKH-Intensivstationen und Anästhesisten. „Rundum wird so gespart, dass wir uns ernste Sorgen um die Zukunft machen müssen“, ergänzt der Gynäkologe und Hormonforscher Johannes Huber. „Vieles, was im AKH passiert, macht keinen Sinn“, kritisiert der Frauenarzt Peter Husslein. „Um die Kosten drastisch zu senken, musste ich Konzepte in Telefonbuchstärke entwickeln“, seufzt der Kardiologe Gerald Maurer. „Jahr für Jahr stehen wir vor den gleichen Problemen, sodass ich mir Sorgen mache, wie wir unseren Status als Spitzeninstitut für die Patienten aufrechterhalten können“, blickt auch der Radiologe Christian Herold besorgt in die Zukunft.

AKH-Professoren proben den Aufstand. Reinhard Krepler, seit anderthalb Jahrzehnten ärztlicher Direktor des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, zieht Resümee über die Sorgen und Ängste seiner ärztlichen Kollegen: „Ich weiß, dass wir schwere Zeiten durchmachen. Ich kann garantieren, dass die Patientenversorgung durch das AKH auf höchstem medizinischem Niveau gewährleistet bleibt. Aber ich muss bestätigen, dass wir einen riesigen Investitionsstau und eine laufende Unterdeckung der Mittel haben.“

Dramatische Lage. Das AKH in Wien – mit Gesamterrichtungskosten von 4,1 Milliarden Euro eines der teuersten und mit 2.206 systemisierten Betten eines der größten Spitäler der Welt – wurde in drei Jahrzehnten erbaut und ab 1991 (offizielle Eröffnung: 1995) sukzessive besiedelt.

Das medizinische Equipment dieses Spitals der Superlative (Gesamtkosten von Medizintechnik und Geräten: 557 Millionen Euro, derzeitiger Stand des Anlagevermögens: 107 Millionen Euro) ist zum Teil bereits fast anderthalb Jahrzehnte alt. Durchschnitt der Lebensdauer von medizintechnischen Geräten: maximal acht Jahre – weltweit. Einige Medizinökonomen beziffern die Lebensdauer stark beanspruchter Geräte gar nur mit sechs Jahren. So oder so: Der AKH-Gerätepark ist technisch schwer veraltet – seit der Besiedelung wurden fast keine Erneuerungsinvestitionen gemacht. Jetzt brechen viele Geräte zusammen. Eine Anpassung an den medizinischen Weltstandard, wie sie von der wissenschaftlichen Spitzenmedizin gefordert wird, ist unmöglich.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS

24.11.2004 15:02