Mittwoch, 24. November 2004

Blaue im Parteigründer-Fieber

  • Haider-Partei: Wann der EX-FP-Chef sich abspalten will. Für jeden fünften „Haider neu“ wählbar.
  • KHG-Partei: Mit wem Grasser 2006 antreten will. Umfrage: Wählerpotential bei 31 Prozent.

FPÖ-Drei-Spaltung: Ex-Blaue wollen Grasser als rechtsliberalen Frontmann. Haider plant Neustart. Stadler & Co übernehmen FPÖ-Reste?

Eigentlich läuft das politische Leben für Karl-Heinz Grasser derzeit ja relativ kommod ab. Er hat sein Doppelbudget über die Bühne gebracht, seine „Homepage-Affäre“ mehr oder weniger gut ausgesessen und ist des Kanzlers Darling. Und doch scheint sich der Finanzminister in seiner neuen politischen Heimat ÖVP nicht so recht wohl zu fühlen.

„Will was Neues machen.“ Zumindest, wenn man einem engen Freund Grassers Glauben schenken darf: „Die ÖVP ist doch auch nur eine Altpartei. Der Karl-Heinz möchte lieber wieder in einer frischen Bewegung mitmachen.“ Da trifft es sich ja gut, dass ehemalige blaue Parteifreunde des ehrgeizigen Kärntners genau an einer solchen „neuen“ Bewegung basteln. Ex-FP-Klubobmann Peter Westenthaler hatte sich die letzten zwei Wochen auffallend oft mit anderen ehemaligen Blauen wie Susanne Riess-Passer, Norbert Gugerbauer und Walter Meischberger getroffen, um über die Chancen und Risiken dieses Polit-Babys zu plaudern. Bis März will diese Gruppe entscheiden, ob sie knapp vor der Nationalratswahl 2006 mit einer neuen Partei ins Rennen gehen soll.

Geht es nach Westenthaler, soll sich Grasser als „unabhängiger“ Frontmann dieser Bewegung zur Verfügung stellen. Exvizekanzlerin Riess-Passer – die jegliche politischen Ambitionen dementiert – soll ebenfalls an prominenter Stelle platziert werden.

Die Drahtzieher. Ex-FP-Generalsekretär Walter Meischberger entwickelt jedenfalls bereits Konzepte, wie man mit einer solchen neuen Partei – „abseits der klassischen Parteipolitik“ – am besten punkten könnte. Einig ist sich der „Klub der Ehemaligen“ jedenfalls, dass die neue Partei „nicht nur ein Sammelbecken“ ehemaliger Freiheitlicher sein dürfe. Sie wollen vielmehr auch ehemalige Rote und Schwarze. Speziell Ex-SP-Innenminister Karl Schlögl, den es ebenfalls in die Politik zurückzieht, umgarnt Westenthaler derzeit. Schlögl (der eine Mitwirkung am Projekt freilich heftig dementiert) könnte – so das Kalkül der Ex-Blauen – frustrierte rote Wähler für die KHG-Partei ködern.

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24.11.2004 16:54