Sonntag, 28. November 2004

Grazer Sturm verblies Rapid Wien nicht: Herbstmeister feiert zuhause einen 4:1-Sieg

  • Erster Auswärtssieg seit 21 Spielen (!) für Mattersburg
  • Nordea Admira geht in Tirol ganz klar mit 0:4 unter

Rapid feierte daheim einen klaren 4:1-Erfolg über Sturm und baute damit die Tabellenführung weiter aus. Die Wiener haben nun fünf Punkte Vorsprung auf Verfolger Austria Wien, der heute in Bregenz gastiert. Mattersburg feierte in Salzburg den ersten Auswärtssieg seit 21 Partien! Admira ging am Tiroler Tivoli mit 0:4 unter.

Herbstmeister Rapid verteidigte vor 8.800 Zuschauern - nur gegen Bregenz (8.400) pilgerten in dieser Saison bisher weniger Fans ins St. Hanappi - nach Startschwierigkeiten dank einer klaren Steigerung nach dem Wechsel mit einem sicheren 4:1-(1:1)-Heimsieg über den Tabellenvorletzten Sturm Graz die Spitzenposition in der Bundesliga erfolgreich. Damit verloren die in der Fremde weiterhin sieglosen Grazer auch das dritte Saisonduell mit dem Rekordmeister aus Hütteldorf und bezogen bereits die achte Niederlage in den vergangenen elf Spielen im Hanappi-Stadion.

Gleich die erste schöne Aktion der Hausherren führte zum Tor: Nach Doppelpass mit Lawaree landete in der 22. Minute ein satter 22-Meter-Schuss von Martinez, der sein zweites Saisontor erzielte, im langen Eck. Die Freude über die grünweiße Führung währte aber nur drei Minuten: Nach einem langen Mujiri-Pass nützte Haas einen Schnitzer von Rapid-Schlussmann Payer, der beim Herauslaufen über den Ball und in seinen eigenen Verteidiger Martin Hiden sprang, zum 1:1 (25.). Es war der sechste Saisontreffer für den Teamstürmer.

Der Ausgleich war verdient, denn Sturm spielte nicht nur munter mit den Hütteldorfern mit, sondern verstand es geschickt, den Spielfluss von Rapid zu unterbinden. Vor allem in der Abwehr standen die Gäste sehr sicher, während vorne Haas meist nach Vorlagen von "Freigeist" Mujiri für Gefahr sorgte.

Nach dem Wechsel ging dann Rapid mit mehr Elan zur Sache, dominierte klar und wurde dafür in der 58. Minute belohnt, wobei die Unparteiischen eine Regelwidrigkeit übersahen: Nach einem Freistoß des unter Beobachtung von DFB-Assistenztrainer Joachim Löw stehenden Hofmann kam der Ball via drei Rapid-Spielern glücklich zum völlig freistehenden Dosek, der allerdings aus Abseitsposition mit seinem vierten Saisontor das 2:1 besorgte. Die Sturm-Abwehr übernahm bei dieser Aktion die Rolle der erstaunten Zuschauer und machte auch keinerlei Anstalten, den Treffer zu reklamieren.

Nach der erneuten Führung spielte Rapid dann viel befreiter, kam vermehrt zu Chancen, wobei in der 81. Minute Dmitrovic den durchbrechenden Hofmann foulte und wegen Torraubs ausgeschlossen wurde. Der Sturm-Verteidiger hätte sich diesen Platzverweis ersparen können, denn der gefoulte DFB-Teamkandidat verwandelte den fälligen Freistoß aus gut 20 Metern mit einem perfekten Schuss über die Mauer ins Kreuzeck (83.). Es war das vierte Saisontor für den Rapid-Kapitän. Den Schlusspunkt setzte Kincl, der nach einem Doppelpass Hlinka-Martinez zur Stelle war, in der Nachspielzeit mit seinem siebenten Tor in dieser Saison (92.).

Salzburg peinlich
Der SV Mattersburg hat einen historischen Auswärtserfolg gefeiert. Die Burgenländer bezwangen den erschreckend schwachen SV Salzburg verdient 2:1 (0:0) und jubelten über den ersten Dreipunkter in der Fremde seit 19. Oktober 2003 (2:1 in Kärnten). Für die Treffer sorgten der eingewechselte Salzburg-Amateur Keil (87.) bzw. Fülöp (62.) und Patocka (73.).

Während SVM-Interimscoach Franz Lederer gleich in seinem ersten Auswärtsmatch über den lang ersehnten Erfolg jubeln durfte, gerät Peter Assion in Salzburg unter Druck. Die 6.000 Fans machten mit "Assion raus"-Rufen ihrem Ärger Luft.

In einem zerfahrenen Match präsentierte sich Salzburg von Beginn an schwach. Die bisher mit Abstand schlechteste Heimleistung von Kapitän Laessig und Co. führte zu einer deutlichen Überlegenheit der Gäste.

Die Burgenländer zeigten sich jedoch zunächst vor dem Gehäuse von Arzberger zu abschlussschwach: Patocka (2.) und Fuchs (12.) schossen drüber, Fülöp verstolperte nach Kaintz-Vorlage alleine vor dem Salzburg-Schlussmann (18.) und Kaintz verfehlte mit einem Freistoß nur knapp das Tor (41.).

Von den Mozartstädtern war gar nichts zu sehen, die 6.000 Fans starteten nach rund einer halben Stunde ein gellendes Pfeifkonzert, das erst durch den (erlösenden) Pausenpfiff von Referee Gangl beendet wurde. Als einzige Hoffnung blieb dem Salzburg-Anhang die Tatsache, dass die vergangenen zwei Heimpartien gegen die Mattersburger (1:0 und 2:0 für Salzburg) ähnlich schwach begonnen hatten.

Allerdings eine trügerische Hoffnung, denn die Bankrotterklärung der Salzburger setzte sich fort. Nach einer Stunde schlugen die auswärts ansonsten so gerne gesehenen Mattersburger dann zu. Nach schönem Kaintz-Lochpass schoss Fülöp von halbrechts elegant ins lange Eck ein (61.).

Damit war der Auswärtsfluch von Kühbauer und Co. endgültig gebrochen, denn nur zehn Minuten später folgte das 0:2. Nach Fuchs-Flanke von der linken Seite traf Patocka völlig freistehend per Kopf aus kurzer Distanz (73.).

Mit dem Mute der Verzweiflung brachte Coach Assion Amateur Keil ins Spiel, der zehn Minuten nach seiner Einwechslung via Innenstange für das 1:2 sorgte (87.). Damit begann die zu späte Schlussoffensive, in der Laessig die linke Stange traf (90.) und Pichorner an Hedl scheiterte (92.).

Null Chance für Admira
Zweiter klarer Heimsieg für die Tiroler unter Trainer Stanislaw Tschertschessow. Nach dem 5:1 gegen inferiore Mattersburger legten die Innsbrucker im Duell von zwei Tabellennachbarn gegen ebenfalls sehr schwache Admiraner ein 4:0 nach. Koejoe (3./68.), Marijan Kovacevic (20./Eigentor) und Hannes Eder (34.) erzielten die Tore zum insgesamt sechsten Heimsieg des Aufsteigers, der damit den fünften Tabellenplatz absicherte. Die Niederösterreicher, gegenüber dem siegreichen Match gegen Rapid nicht wiederzuerkennen, kassierten ihre sechste Auswärtsniederlage.

Das Match begann praktisch mit 1:0 für die Hausherren, denn Koejoe verwertete schon in der dritten Minute einen Stanglpass von Schreter. Dieser trat in der 20. Minute einen Freistoß vors Tor, Kovacevic verlängerte mit dem Kopf ins eigene Tor. Ein Eckball von Schreter mit dem linken Fuß von der rechten Seite fand den völlig frei stehenden Hannes Eder und der köpfelte das 3:0 (34.). Den Schlusspunkt setzte Koejoe mit seinem zwölften Saisontor, als er in der 68. Minute eine Flanke von Mair mit dem Kopf verwertete. Der Angriff war über Schreter, der somit allen vier Toren beteiligt war, mit anschließender Flanke zu Mair eingeleitet worden.

Koejoe, Mair und Brzeczek fanden einige weitere gute Möglichkeiten vor, trafen aber entweder das Tor nicht oder scheiterten an Szamotulski. Oravec - Goldtorschütze gegen Rapid - hatte zwei große Chancen, schoss aber in der 27. Minute allein vor Pavlovic diesen an und jagte in der Nachspielzeit den Ball aus wenigen Metern über das Tor. Viel mehr war bei den Gästen, die nach der Pause gegen die nur noch auf Konter spielenden Hausherren im Feld dominierten, nicht zu sehen. Damit glückte den Tirolern auch die Revanche für die 0:2-Heimniederlage im Herbst, in der Südstadt hatten sie ja mit 2:0 gewonnen.
(apa/red)

28.11.2004 10:30