Mittwoch, 24. November 2004

Skispringen: Cheftrainer Alex Pointner will eine breitere Basis und zwei WM-Medaillen

  • "Cooler" Thomas Morgenstern flog inoffiziellen Rekord
  • Das Springen macht unter neuem Chef wieder Spaß

Am Freitag und Samstag wird es für die Skispringer wieder Ernst, in Kuusamo beginnt die Weltcup- und WM-Saison 2004/05. Und die Athleten müssen sich gleich im doppelten Sinn warm anziehen, denn im "Kühlschrank" Kuusamo herrschten am Dienstag Temperaturen zwischen minus 15 und minus 20 Grad. Am ersten Trainingstag hinterließen auch die Österreicher schon einen guten Eindruck, allen voran Thomas Morgenstern. Der 18-jährige Kärntner, der die Schanze von Ruka wegen eines grässlichen Sturzes im Vorjahr in unangenehmer Erinnerung hat, segelte gleich auf 149 m hinunter.

Das bedeutete inoffiziellen Schanzenrekord für den unerschrockenen "Morgi". Morgenstern wird auch von internationalen Beobachtern als derzeit "heißeste Aktie" im Weltcup gehandelt. Für Neo-Cheftrainer Alex Pointner ist das "sicher keine Übertreibung, denn er hat das Zeug dazu". Gleichzeitig warnt er vor übertriebenen Erwartungen: "Es gibt schon noch ein paar Bereiche, wo man bei ihm auch Wind aus den Segeln nehmen muss".

Toni Innauer, der Nordische Direktor, hatte schon im Vorfeld gemutmaßt, dass Morgenstern die böse Vorjahrserfahrung gut wegstecken wird:. "Ich vergleiche das gern mit mir: Ich bin 1975 in Oberstdorf schwer gestürzt und habe dann im Jahr darauf gewonnen".

Rund zehn Sprünge konnte Pointners achtköpfige Truppe am Dienstag bei eisigen Temperaturen schon absolvieren, und der neue Cheftrainer ortet vor allem bei Morgenstern, Andi Widhölzl und Florian Liegl eine sehr schnelle Umstellung auf die Großschanze. Mit weiteren fünf Sprüngen am Mittwoch soll vor der Qualifikation am Donnerstag (18 Uhr) weiter Praxis gesammelt werden.

Das Springen macht unter Pointner wieder Spaß
Hauptziel Pointners in seinen ersten Amtsmonaten war es, ein stärkeres Mannschaftsgefüge und einen guten Teamgeist zu beschwören. "Damit bin sehr zufrieden. So mancher Springer hat gesagt, dass es ihm jetzt wieder richtig Spaß macht." Motivieren kann Pointner gut, was ihm auch sein Chef Innauer bestätigt: "Er arbeitet transparenter und kann auch alles gut erklären. Dadurch kann er die Leute mitreißen. Er ist in seiner Trainingsgestaltung wesentlich flexibler und ein absoluter Teamarbeiter. Die Truppe ist nun vitaler, es pulst mehr Leben durch die Mannschaft."

Geänderte Gewichtsregel schafft klare Verhältnisse
Das ÖSV-Team konnte im vergangenen Sommer neben der neuen Schanze in Innsbruck auch erstmals auch in Bischofshofen trainieren. Sicher ein wesentlicher Vorteil. Vor dem ersten wettkampfmäßigen Abtasten ist eine Vorschau freilich schwer, auch nach der revolutionären neuen Gewichtsregel. "Geändert hat sich bei uns nicht viel. Vielleicht ist bei manchen eine gewisse psychische Belastung weggefallen", sagte Pointner. Er meint damit den teilweise angeknacksten Ruf des Springersports wegen der Spekulationen, ob jemand Untergewicht habe oder nicht. "Es war einfach für die Sportart negativ. Ich bin selbst Vater von drei Kindern. Hätte sich da nichts geändert, dann hätte ich es mir auch überlegt, ob es für meine Kinder was Gescheites ist."

Dank zweier Mannschaftsbewerbe sollen zwei Medaillen her
In seiner ersten Saison, in der neben der Vierschanzen-Tournee auch ein Skifliegen auf dem Kulm und Weltmeisterschaften in Oberstdorf anstehen, möchte Pointner seine Mannschaft leistungsmäßig auf eine breitere Basis stellen. "Der Druck soll auf mehrere Schultern verteilt werden. Wenn eine größere Dichte da ist, kann jeder mehr aus sich herausgehen." Konkret wünscht er sich für die WM zwei Medaillen, da es in Oberstdorf auch zwei Mannschaftsbewerbe gibt. Und er hofft, "dass wir auch um eine Einzelmedaille mitspringen können."

ÖSV-Team Weltcup-Auftakt Springen in Kuusamo (27./28.11.):
Martin Höllwarth, Stefan Kaiser, Andreas Kofler, Florian Liegl, Wolfgang Loitzl, Thomas Morgenstern, Reinhard Schwarzenberger, Andreas Widhölzl

(apa)

24.11.2004 11:14