Sonntag, 28. November 2004

Chiracs Rivale neuer Parteichef der UMP: Sarkozy mit 85 Prozent der Stimmen gewählt

  • Muss aber als Finanzminister zurückgetreten
  • "Speedy Sarko" will 2007 bei Präsidentenwahl antreten

Die Regierungspartei UMP des französischen Präsidenten Jacques Chirac hat dessen Erzrivalen Nicolas Sarkozy mit 85,1 Prozent Zustimmung zu ihrem neuen Chef gekürt. Auf dem Parteitag in Le Bourget bei Paris feierte die Parteibasis am Sonntag Sarkozys haushohen Sieg bei der Urabstimmung mit langen Ovationen. Der bisherige Wirtschafts- und Finanzminister will 2007 Chirac an der Staatspitze nachfolgen. Um den Parteivorsitz zu übernehmen, muss Sarkozy auf Druck Chiracs am Montag sein Ministeramt niederlegen. Sein Nachfolger stand zunächst nicht fest.

An der Urwahl ihres neuen Parteichefs hatten vom 15. bis zum 21. November mehr als 70.000 und damit mehr als die Hälfte der zuletzt 114.000 zahlenden UMP-Mitglieder teilgenommen. Sarkozy, den Umfragen als beliebtesten Politiker des bürgerlichen Lagers ausweisen, trumphierte erwartungsgemäß mit riesigem Vorsprung. Der EU-Gegner Nicolas Dupont-Aignan kam auf 9,1 Prozent, die Familienpolitikerin Christine Boutin auf 5,8 Prozent.

Mit Sprechchören feierten die Parteimitglieder vor Sarkozys Auftritt auch den ersten UMP-Chef, Chiracs Wunschnachfolger Alain Juppé, der die Parteispitze nach seiner Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe in einer Korruptionsaffäre niedergelegt hatte. Die bloße Erwähnung Chiracs wurde ebenfalls mehrfach mit langem Applaus quittiert. Der Staatschef wurde in Le Bourget durch seine Gattin Bernadette vertreten; zudem sollte Sarkozy ein Grußwort Chiracs verlesen.

Den groß angelegten UMP-Parteitag überschattete ein Streit um die Kosten, die auf mehr als fünf Millionen Euro taxiert wurden. Nach Angaben Sarkozys wurde die Teilnahme von rund 30.000 Menschen erwartet. Vor der langen Ansprache Sarkozys spielte die Parteitagsregie Video-Grußbotschaften an Sarkozy unter anderem von CSU-Chef Edmund Stoiber und von CDU-Chefin Angela Merkel ein.

Die UMP ist Frankreichs reichste Partei und liefert sich zudem - angesichts der am Sonntag vorgelegten Mitgliederzahlen - ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Sozialisten um den Rang der mitgliederstärksten politischen Formation. Der 49-jährige Sarkozy sieht den Parteivorsitz als Sprungbrett für das Amt des Staatspräsidenten an. Chirac, der dieses Amt seit 1995 bekleidet und am Montag seinen 72. Geburtstag feiert, hat bislang eine erneute Kandidatur nicht ausgeschlossen. Die Rivalität zwischen beiden Lagern sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. Zuletzt traten beide in der Öffentlichkeit versöhnlich auf.(apa/red)

28.11.2004 14:47