Samstag, 27. November 2004

Attentate geklärt: Bayrischer Briefbomben-Bauer sprengte sich selbst in die Luft

  • DNA des Toten stimmt mit Spuren des Täters überein
  • Hintergründe für Anschlagserie aber noch ungeklärt

Ein halbes Jahr nach Beginn der Briefbomben-Serie in Bayern, ist der Fall jetzt gekläft: Der Briefbombenattentäter von Niederbayern hat sich selbst in die Luft gesprengt. Bei dem Toten, der am Freitagnachmittag auf einer Weise nahe der niederbayerischen Gemeinde Hutthurm gefunden wurde, habe es sich um den Mann gehandelt, nach dem mit einem Massen-Gentest gefahndet worden sei, teilte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) am Samstag mit.

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks handelt es sich um einen 22-Jährigen aus Ramling in der Nähe von Hutthurm, der sich mit Hilfe einer Gaskartusche getötet habe. Ein Nachbar habe ihn identifiziert.

Die Polizei wollte am Samstagnachmittag weitere Informationen bekannt geben. Dem Täter werden bisher neun Briefbomben zugeschrieben. Die Ermittler schlossen nicht aus, dass der Mann vor seinem Tod weitere Briefe verschickt haben könnte. Potenzielle Adressaten wurden deshalb dringend gebeten, ihre Post in den kommenden Tagen kritisch und sorgfältig zu überprüfen.

Ein Landwirt hatte am Freitagnachmittag auf einer Wiese bei Auretzdorf im Landkreis Passau eine männliche Leiche mit starken Verbrennungen entdeckt, wie das LKA weiter mitteilte. Auretzdorf liegt etwa drei Kilometer von Hutthurm entfernt. Eine Untersuchung in der Nacht habe dann ergeben, dass das DNA-Material von den Briefbomben mit dem des Toten übereinstimme.

Nach einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" beobachteten Augenzeugen am Freitag gegen 15.00 Uhr eine Explosion, bei der der Mann sofort ums Leben gekommen sei. Er habe offenbar seine Kleidung mit Gas gefüllt und sich angezündet, schrieb die Zeitung.

Nach der Serie von Briefbombenattentaten hatte die Polizei 2.300 Männer in der Gemeinde bei Passau zu einem der größten Massen-Gentests in der bayerischen Kriminalgeschichte aufgerufen. DNA-Spuren auf den Briefen stimmten mit Spuren einer Einbruchserie in der niederbayerischen Gemeinde aus dem Winter 2002 überein. Alle männlichen Einwohner zwischen 17 und 70 Jahren sollten bis Sonntagabend eine Speichelprobe abgeben.

Der Attentäter hatte die Briefbomben seit April an Politiker, Beamte und den polnischen Generalkonsul Waclaw Oleksy in München versandt. Ein an den Regener Landrat Heinz Wölfl (CSU) adressierter Sprengstoffbrief verletzte bei der Explosion eine Sekretärin leicht an der Stirn. Die anderen Bomben konnten entweder rechtzeitig entdeckt und entschärft werden oder funktionierten nicht. Die letzten beiden Sprengsätze waren am 10. November aufgetaucht.

Die Massen-Gentests wurden nach dem DNA-Vergleich abgebrochen. Die entnommenen Speichelproben würden vernichtet, hieß es. Die Mitwirkung der Hutthurmer Bevölkerung sei den Ermittlungsbehörden eine große Hilfe gewesen, erklärten Staatsanwaltschaft und LKA.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein zeigte sich über das Ende der Briefbombenserie erleichtert. Der Fall zeige erneut die Bedeutung der DNA-Analyse für die Arbeit der Kriminalpolizei. "Es ist daher überfällig, dass der genetische Fingerabdruck in allen Fällen, in denen auch die erkennungsdienstliche Behandlung zulässig ist, möglich wird und dies nicht durch ideologische Barrieren behindert wird", erklärte der CSU-Politiker.
(apa)

27.11.2004 14:30