Dienstag, 23. November 2004

Droht Klimaänderung? Häufung von Hurrikanen & Taifunen 2004 ungewöhnlich

  • Laut Swiss Re noch kein Beweis für Klimaänderung

Obwohl in diesem Jahr die Wirbelstürme ungewöhnlich häufig über Wasser und Land fegten, ist dies nach Ansicht des Rückversicherers Swiss Re noch kein Beweis für eine nachhaltige Klimaänderung. Dies müsse sich erst noch weisen. In der Saison 2004 seien im atlantischen Becken 14 tropische Stürme entstanden, von denen acht zu Hurrikanen herangewachsen seien, teilte die Swiss Re in ihrer Publikation "Hurrikan Saison 2004" mit, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Während vier Hurrikane den Küsten fern blieben, fegten die Hurrikane "Charley", "Frances", "Ivan" und "Jeanne" gleich mehrmals übers Land. "Frances" und "Jeanne" werden zu den flächenmäßig größten je gesehenen Hurrikanen gezählt. "Ivan" gilt mit einer Dauer von zehn Tagen als einer der langlebigsten Hurrikane seit 1990.

Am härtesten wurde in diesem Jahr Haiti getroffen, wo "Jeanne" verheerende Überschwemmungen nach sich zog. Im Armenhaus der Karibik kamen schätzungsweise über 2.000 Menschen um. Weit mehr als 100.000 Menschen wurden obdachlos.

Auch die Bewohner Floridas hatten viel zu erdulden: Innerhalb von sechs Wochen wurde der US-Bundesstaat vier Mal von Hurrikanen getroffen. Eine solche Häufung sei zuletzt 1886 in Texas beobachtet worden, hieß es.

Die aus der Hurrikan-Serie entstandenen volkswirtschaftlichen Schäden seien noch nicht exakt zu bemessen, "werden aber vermutlich die von Hurrikan Andrew 1992 übersteigen", schreibt die Swiss Re. Bis zum 1. November wurden die versicherten Schäden auf insgesamt 20 Milliarden bis 25 Milliarden Dollar (15,3 bis 19,1 Mrd. Euro) veranschlagt.

Auch Japan wurde von zehn Taifunen getroffen oder zumindest gestreift. Dies ist ein neuer Rekord. Der bisherige Höchststand war bei je sechs Taifunen in den Jahren 1990 und 1993 gelegen. Die versicherten Schäden beliefen sich in diesem Jahr nach provisorischen Schätzungen mit Stand 1. November auf rund sechs Mrd. Dollar (4,58 Mrd. Euro).

"Dennoch wäre es verfrüht, solche Ausnahmeerscheinungen als Indizien einer nachhaltigen Klimaänderung zu interpretieren", schreibt Swiss Re: "Ein neuer Wetterrekord bedeutet nur, dass das jeweilige Phänomen erstmals so beobachtet oder gemessen wurde, nicht jedoch, dass es noch nie zuvor aufgetreten ist." Generell könne ein einzelnes Ereignis, wie beispielsweise die ungewöhnliche Häufung von vier folgenschweren Hurrikanen in einer Saison, nicht als Beweis einer Klimaänderung gewertet werden. "Ob sich hinter der hohen Aktivität Klimaänderungen verbergen, muss sich erst noch weisen", schreibt Swiss Re. (apa)

23.11.2004 16:53