Freitag, 26. November 2004

Fataler Fahrfehler forderte sechs Tote:
"Grein"-Kapitän an Boots-Unglück schuld!

  • Schiff vor Tragödie vermutlich auf Sandbank aufgelaufen
  • Dritte Leiche identifiziert, drei Opfer noch vermisst

Ohne strafrechtliche Folgen wird das Schiffsunglück auf der Donau bleiben, bei dem am 4. November sechs Männer den Tod gefunden haben dürften. Wie Sektionschef Werner Pürstl vom Justizministerium am Freitag im APA-Gespräch erklärte, steht die Unglücksursache eindeutig fest: Es war ein Fahrfehler des Kapitäns der gesunkenen "Grein", der dabei selbst ums Leben kam. Da ein technisches Gebrechen ausgeschlossen werden kann, hat die Staatsanwaltschaft Korneuburg den Akt bereits geschlossen.

"Es gibt kein Anzeichen für ein Fremdverschulden. Der Schiffslenker dürfte offenbar auf ein Hindernis - vermutlich eine Sandbank am Rand der Donau - aufgelaufen sein. Dabei sind wichtige Steuerungsinstrumente kaputt gegangen", legte Pürstl die Ergebnisse der Ermittlungen dar. Die "Grein" sei in weiterer Folge "unkontrolliert im Zickzack-Kurs auf der Donau unterwegs gewesen".

Das etwa zehn Meter lange Nostalgieschiff war oberhalb des Kuchelauer Hafens bei Stromkilometer 1937,500 mit einem entgegenkommenden Schubverband kollidiert, wonach es sofort kenterte. Zwei tote Passagiere wurden unmittelbar danach gefunden. Eine dritte, am vergangenen Dienstag im Gemeindegebiet von Haslau an der Donau (Bezirk Bruck a. d. Leitha) angespülte Leiche konnte mittlerweile identifiziert werden. Bei dem Toten handelt es sich um einen 50-jährigen Wiener. Das teilte die Kriminalabteilung Niederösterreich am Freitagnachmittag mit. Damit gelten noch drei Personen offiziell als vermisst.

Der mit der Klärung des Unfallhergangs betraute technische Sachverständige konnte diesen nach der Begutachtung des Wracks rekonstruieren. Die 50 Jahre alte "Grein", ein ehemaliger Schleppkahn, war fünf Tage nach dem Unglück gehoben worden.

"Aus zerbrochenen Teilen und vor allem auch mit Hilfe von Zeugenaussagen hat sich das Geschehen klären lassen", meinte Sektionschef Pürstl. Die Besatzung des Schubverbands "Meister 2", in den die "Grein" krachte, habe teilweise sogar mitangesehen, wie diese wenige Minuten vorher gerade noch einem anderen Frachter ausweichen konnte. Trotz Warnsignalen geriet die "Grein", die für Ausflugsfahrten eingesetzt werden sollte, dann in die Front des zweiten.
(apa/red)

26.11.2004 14:30