Konflikt um Schönbrunn-Sessel: Prag will beschlagnahmte Stühle nicht zurückgeben
- Rückgabe wurde zuerst vorbereitet, dann abgelehnt
- Tschechische Minister uneinig über Vorgangsweise
Gegen die Rückgabe von 200 historischen Sesseln, die aus dem Schloss Schönbrunn und der Hofburg stammen und sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Tschechoslowakei bzw. in Tschechien befinden, gibt es in Prag Widerstand. Wie die tschechische Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" berichtete, habe der Prager Außenminister Cyril Svoboda zunächst ein Dokument für die Regierung vorbereitet, auf dessen Basis die Sessel nach Österreich zurückgegeben werden hätten können. Schließlich habe er es sich jedoch noch einmal überlegt.
"Es war klar, dass es dafür keinen großen Willen gibt, sodass ich das zurückgezogen habe," erklärte Svoboda gegenüber dem Blatt. "Es hat keinen Sinn, wegen 200 Sesseln einen Konflikt zu erzeugen. Ich werde das der Regierung nicht mehr vorlegen", fügte er hinzu. Die Sessel sollten weiterhin von den südmährischen Schlössern Uhercice, Bitov und Vranov verwaltet werden, hieß es. Aus dem österreichischen Außenministerium hieß es, diesbezügliche Gespräche würden auf Expertenebene geführt.
Der tschechische Kulturminister Pavel Dostal hat hingegen nichts gegen die Rückgabe der Sessel an Österreich einzuwenden. "Was gestohlen wurde, sollte zurückgegeben werden. Ich bin kein grundsätzlicher Gegner der Rückgabe", sagte er gegenüber der Zeitung.
Stühle wurden vor Bombardements gerettet
Nach Mähren kamen die Sessel zu Kriegsende, als Wien drohte, bombardiert zu werden. Die Behörden beschlossen damals, sie auf Schloss Uhercice in Sicherheit zu bringen. Dieses wurde zwar nicht bombardiert. Sein Besitzer Ottaviano Collato di San Salvatore wurde allerdings nach dem Krieg als Deutscher bezeichnet, sein Eigentum - mitsamt der Sessel - wurde von der Tschechoslowakei beschlagnahmt. Die Armee bewohnte und zerstörte das Schloss später.
Österreich forderte die Rückgabe der Sessel, was die Tschechoslowakei jedoch ablehnte. Als 1994 neue Verhandlungen zwischen Prag und Wien begannen, stellte sich heraus, dass fast zwei Drittel der Sessel fehlten. Von einigen waren nur Torsos geblieben, andere wurden auch danach noch gestohlen. Ein Teil der beschädigten Sessel wurde restauriert. (apa/red)
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