Donnerstag, 4. November 2004

Präsident Bush lässt sich für umstrittenen Erfolg feiern: "Amerika hat gesprochen"

  • US-Präsident will seine Politik unverändert fortsetzen
  • Wahl in New Mexico endet mit Sieg des Republikaners

George W. Bush hat es wieder geschafft: Der Republikaner bleibt weitere vier Jahre mächtigster Mann der Welt. Herausforderer John Kerry, der noch Chancen auf den Wahlsieg hatte, verzichtete am Mittwoch auf die (Neu)auszählung im entscheidenden Bundesstaat Ohio und verhinderte so ein Chaos wie 2000. Nur kurze Zeit später präsentierte sich der neue, alte Präsident der Öffentlichkeit mit den Worten: "Amerika hat gesprochen" und kündigte eine Fortsetzung seiner Politik an.

US-Präsident George W. Bush will sich in seiner zweiten Amtszeit auch um die Unterstützung der Wähler Kerrys bemühen. Im "Krieg gegen den Terror" wolle er alle Ressourcen des Landes nutzen, kündigte Bush in Washington vor tausenden von jubelnden Anhängern an. "Ich brauche eure Unterstützung und ich werde daran arbeiten, sie zu verdienen", sagte Bush an die 55 Millionen Amerikaner gewandt, die Kerry wählten. Bush sprach von einem "historischen Sieg".

New Mexico an Bush
Einer der drei zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgezählten Bundesstaaten, New Mexico, der allerdings keine Auswirkung auf die letztendliche Entscheidung gehabt hätte, geht erwartungsgemäß an Bush: Der Präsident führte dort mit 12.000 Stimmen, als noch 27.000 provisorische und Briefwahlstimmen auszuzählen waren und holt sich damit weitere fünf Wahlmänner.

Schröder fordert gemeinsames Vorgehen ein
Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat Bush zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen Terrorismus, Armut und Umweltzerstörung aufgerufen. In einem Glückwunschtelegramm zu Bushs Wiederwahl schrieb Schröder: "Internationaler Terrorismus, die Gefahr der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, regionale Krisen, aber auch Armut, Klimaveränderungen und Epidemien bedrohen unsere Sicherheit und Stabilität. Diese Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam meistern."

Schröder schrieb, er sehe "mit großer Erwartung" der weiteren Zusammenarbeit "auf der Grundlage der engen Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten" entgegen.

Frankreichs Parteien nicht erfreut
Die französischen Parteien plädieren nach dem Sieg von Bush für ein "starkes Europa". Für die zentrumsbürgerliche UDF, die Sozialisten (PS) und die Kommunisten (PCF), die alle drei auf einen Wahlsieg des Demokraten John Kerry hofften, ist ein "starkes Europa" die beste Antwort. "Gegenüber einem entschlossenen Amerika braucht es ein starkes Europa, denn wenn wir wie jetzt fortfahren, ein gespaltenes Europa zu sein, in dem ein Teil der Staaten in eine Richtung geht und ein Teil in eine andere, dann wird die Welt in einem dauerhaften Ungleichgewicht sein", erklärte UDF-Chef Francois Bayrou am Mittwoch.

Die Wiederwahl von Bush ist für 65 Prozent der Franzosen "eine schlechte Sache". Nur 23 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt, zwölf Prozent haben keine Meinung in dieser Frage.

Kerry gibt auf
Kerry hatte Bush während einer Rede in Boston zum Wahlsieg gratuliert. Angesichts der Stimmenverteilung im zuletzt entscheidenden Staat Ohio sei klar, dass er selbst keine Chance mehr habe, Präsident zu werden. "Ich würde diesen Kampf nicht aufgeben, wenn es noch eine Chance für uns gäbe zu gewinnen", stellte Kerry klar. Seiner Wahlkampfsprecherin Stephanie Cutter zufolge hatte Kerry Bush bereits zuvor in einem Telefongespräch persönlich beglückwünscht. Bush wollte sich nach Regierungsangaben später zum Wahlausgang äußern. Politiker aus aller Welt gratulierten ihm bereits zur Wiederwahl.

USA soll wieder geeint werden
Nach dem kontroversen Wahlkampf sei es nun an der Zeit, das Land wieder zu einen, gab Kerry Bush mit auf den Weg. Dafür sei wichtig, dass die Wahl von den Wählern und nicht durch Gerichte entschieden werde, erläuterte Kerry seine Entscheidung, die Niederlage einzuräumen. In der Wahlnacht hatte sein Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, John Edwards, noch angekündigt, seine Partei werde "um jede Stimme kämpfen", da der Wahlausgang im entscheidenden Staat Ohio noch unklar sei.

Die unsichere Ausgang hatte das Wahlergebnis um Stunden verzögert und Befürchtungen genährt, das wochenlange juristische Tauziehen um den Wahlsieg wie vor vier Jahren könnte sich wiederholen. Beide Parteien hatten bereits Anwälte in Stellung gebracht. Bush lag in Ohio mit mehr als 135.000 Stimmen in Front. Allerdings waren dort bis zu 175.000 Stimmen vorläufig zur Wahl zugelassener Wähler noch unberücksichtigt geblieben.

Hohe Wahlbeteiligung und Kopf-an-Kopf-Rennen
In einem erbitterten Wahlkampf waren Bush und Kerry bis zur Wahl Kopf-an-Kopf gelegen. Die beiden Kontrahenten konnten wie erwartet in ihren Hochburgen Siege erringen. Bush hatte bei der von einer ungewöhnlich hohen Wahlbeteiligung geprägten Abstimmung vor allem in den Südstaaten und im Mittleren Westen gepunktet. Der Republikaner eroberte dabei auch Florida. Der Südstaat war der größte der für den Wahlausgang so wichtigen Staaten, in denen sich bis kurz vor der Wahl keine deutliche Mehrheit für eines der beiden Lager abgezeichnet hatte.

Kerry konnte insbesondere in den Staaten an der Ost- und der Westküste gewinnen und dabei neben dem zuvor unentschiedenen Pennsylvania auch den kleineren Ostküstenstaat New Hampshire gewinnen, der 2000 noch für Bush votiert hatte. (apa/red)

4.11.2004 13:53
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