Historischer Triumph für Linke in Uruguay: Erstmals seit dem Jahr 1830 linker Präsident
- Vazquez schlägt konservative Kandidaten ganz klar
- Neuer Präsident verspricht tief greifenden Wandel
Uruguays Linke hat mit ihrem Kandidaten Tabare Vazquez bei der Präsidentenwahl am Sonntag einen historischen Sieg errungen. Inoffiziellen Hochrechnungen zufolge kam das Bündnis Frente Amplio (FA), dem auch frühere Tupamaru-Guerilleros angehören, auf 51 Prozent der Stimmen. Damit wird der kleine Agrarstaat am Rio de la Plata ab März kommenden Jahres erstmals seit seiner Unabhängigkeit 1830 von einem linken Präsidenten regiert.
Der 64-jährige Vazquez erklärte sich vor tausenden jubelnder Anhänger in der Hauptstadt Montevideo zum Wahlsieger: "Dies ist eine magische Nacht. Feiert, Uruguayer, feiert!" In einem Freudentaumel zogen Hunderttausende durch Montevideo und andere Städte des Landes.
Das früher als "Schweiz Südamerikas" bezeichnete Land befindet sich nach Jahrzehnten des stetigen Niedergangs in einer schweren Krise. "Der Wahlsieg gibt den Uruguayern ihre Würde zurück und ist für ganz Lateinamerika von enormer Bedeutung", sagte der Schriftsteller Eduardo Galeano.
Der konservative Kandidat Jorge Larranaga von der konservativen Nationalen Partei (Blancos) kam den Hochrechnungen zufolge mit 34 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei. Er räumte seine Niederlage ein. Guillermo Stirling von der ebenfalls konservativen Colorado-Partei von Amtsinhaber Jorge Batlle kam auf nur etwa 10 Prozent. Batlle durfte nach einer Amtszeit nicht wieder antreten. Auch bei der Parlamentswahl und einem Referendum gegen die Privatisierung der Wasserwerke konnte sich die Linke durchsetzen.
Vazquez versprach einen tief greifenden Wandel für eine "gerechtere und menschlichere" Gesellschaft sowie größere soziale Sensibilität. Neben Soforthilfen für die etwa 30 Prozent Armen kündigte er die Ankurbelung der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie sowie die Stärkung des gemeinsamen Marktes des Südens, Mercosur, an. Auch der Bildung und dem Gesundheitswesen solle höhere Priorität eingeräumt werden.
Allerdings ist der finanzielle Spielraum der künftigen Regierung sehr beschränkt. Auf dem Land lastet eine Auslandsschuld in Höhe von 13 Milliarden Dollar (10,21 Mrd. Euro), was 107 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Diese Schulden seien so "nicht bezahlbar", sagte der designierte Produktionsminister Jose Mujica.
Die beiden traditionellen konservativen Parteien, die Colorados und die Blancos, die das Land abwechselnd während der vergangenen 170 Jahre regierten, müssen sich von der Macht verabschieden. Ihre Vertreter halten aber noch viele wichtige Posten in Justiz und Verwaltung. Die Vorwürfe von Korruption und Vetternwirtschaft waren immer lauter geworden.
(apa/red)
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