Essen von einem anderen Stern: Spitzen- köche tüfteln an Ernährung für Mars-Fahrer
- Intergalaktische Rezepte von Sternekoch Alain Ducasse
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Ein uralter Traum soll in drei Jahrzehnten wahr werden, doch bis dahin ist noch reichlich Kopfzerbrechen angesagt: Europa und die Raumfahrtnationen USA und Russland wollen bemannte Missionen zum Mars schicken. Dabei ist eines der größten Probleme neben Langstreckenantrieb oder Funksignalverstärker ganz banaler Art: das Essen. Zusammen mit Spitzenköchen tüfteln Wissenschafter schon jetzt an der Ernährung der ersten Mars-Fahrer.
"Essen ist für Astronauten unglaublich wichtig", betont Florence Cane, eine Mitarbeiterin von Sternekoch Alain Ducasse, der sein Fachwissen in ein Programm der Raumagentur ESA einbringt. "Essen und das Zubereiten der Speisen werden oft der wichtigste Augenblick eines Tages sein." Derzeit kommt Astronauten-Futter gefriergetrocknet, glibberig oder in Dosen daher. Nichts für Feinschmecker, aber kürzere Raumfahrten etwa zur Internationalen Raumstation ISS oder zum Mond lassen sich damit schon überstehen.
Besonderheiten der interplanetarischen Ernährung
Interplanetarische Reisen erfordern eine ganz andere Ernährung, und dies allein aus Gewichtsgründen: Bei einer bemannten Mars-Mission etwa, wie sie die ESA und ihre US-Konkurrentin NASA für 2030 anpeilen, werden die Raumfahrer vermutlich gut zwei Jahre lang unterwegs sein. Für einen Tausend-Tage-Trip müsste eine sechsköpfige Crew rund 30 Tonnen Lebensmittel, Sauerstoff und Trinkwasser mitnehmen. Soll auch die Körperhygiene nicht zu kurz kommen und jeder Raumfahrer täglich 20 Liter Wasser zum Waschen erhalten, kommen 120 Tonnen hinzu - so viel, wie bisher nur die stärkste Rakete Saturn V zu Zeiten der historischen US-Mondmissionen Apollo befördern konnte.
Leicht und vielseitig
Möglichst leicht muss das Essen also sein, vielseitig und am besten mehrfach zu nutzen - eine wenig appetitliche Vorstellung, aber in dieser Kategorie soll in der nüchternen Welt der Raumfahrer nicht gedacht werden. "Je länger eine Mission dauert, desto wichtiger wird es, die Abfälle zu recyceln und eigenes Essen anzubauen", betont Christophe Lasseur, der das ESA-Programm Melissa (Micro-Ecological Life Support Alternative) koordiniert.
Paradeiser, Erdäpfel & Co.
Die ESA-Forscher und die Köche von Ducasse haben acht Pflanzen ausgewählt, die ausreichend Vitamine, Proteine und Kohlenhydrate liefern und so dem bei langen Reisen im All drohenden Muskel- und Knochenschwund entgegenwirken können: Paradeiser, Kopfsalat, Erdäpfel, Sojabohnen, Spinat, Zwiebeln und Weizen, dazu Reis - der aber viel Anbaufläche braucht und nicht essbaren Abfall hinterlässt. Abgesehen davon haben die Forscher eine Recyclingquote von 60 Prozent erreicht.
Marsbrot
Aus den wenigen, vielseitigen Rohstoffen oder daraus gewonnenen Lebensmitteln stellte die Equipe von Ducasse mehr als 70 Rezepte zusammen. "Marsbrot" etwa - abgeleitet von einem polnischen Rezept für hefefreies Brot - und "Spirulina-Risotto". Spirulina ist eine graugrüne Süßwasseralge mit einem sehr hohen Proteinanteil von 60 Prozent. "Sie hat das Aussehen und die Struktur von Schlamm und einen metallischen Geschmack", sagt Lasseur. "Da ist noch etwas Arbeit nötig."(apa/red)
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