Montag, 25. Oktober 2004

Wagners Gourmet-Kritik der Woche: Der Top-Kritiker war in der "Brennerei Rochelt"

  • Wagner über geistvolle Flaschen und Husarenstücke
  • Prädikat: Edelbrände von Weltformat, stilvoll präsentiert

Wo dein Schatz ist, wusste schon Matthäus, da ist auch dein Herz. Deshalb hält Günter Rochelt das Herzstück seines Schaffens sicherheitshalber in einem eigenen „Altar“ versteckt. Er versteht darunter ein bauernbemaltes Kästchen in Form eines Flügelaltars, in dem Österreichs berühmtester Schnapsbrenner aufbewahrt, was am Beginn seines Ruhms stand: nämlich der Schnaps der frühen Tage.

Bevor der gelernte Koch, Kellner und Hotelier nämlich 1989 unter die Edelbrenner ging, hatte er schon 15 Jahre „aus schierer Lust“ gebrannt, unter anderem jenen 1970 (!) abgefüllten Elsbeerbrand, von dem er für mich, nicht ohne klammheimlichen Stolz, dass er auch damit viel früher präsent war als alle anderen, sein letztes Fläschchen geöffnet hat. „Braucht sich nicht zu verstecken, was?“ sagt er. – Braucht es wirklich nicht. Das Marzipanaroma strömt ist auch ein drittel Jahrhundert nach dem Brennen opulent.

Doch Rochelt hütet auch noch andere Schätze: Seinen hausgemachten Speck beispielsweise, der 16 Monate im Felsenkeller seiner Almhütte auf 1200 m Seehöhe reift und Besuchern seiner gemütlichen Edelbrandwelt zum Kosten, nicht aber zum Kauf angeboten wird. Dann ist da noch die zwei Millionen Jahre alte Steinplatte, die Rochelt auf eigene Kosten bei Kramsach ausheben und mit einer Diamantsäge dekorativ zurechtschneiden ließ. Über dem wertvollen Stein thront schließlich Rochelts private Flaschen- und Gläsersammlung. Es sei kein Zufall, meint er, dass er damals vor 34 Jahren, ausgerechnet eine Glaskünstlerin geheiratet hat.

Denn Rochelts Erfolge als Brenner sind stets auch Erfolge exklusiven Designs. Dabei hat die „grüne Flasche“, wie ein 200 Jahre alter Prototyp in der Vitrine beweist, weder Herr noch Frau Rochelt erfunden. In Wahrheit handelt es sich um eine bunte venezianische Zangenglasflasche, die wahrscheinlich Bruder Zufall erfand, indem er den Glasbläser die Zange, mit der er die frisch geblasene Flasche aus der Glut heben sollte, zu stark zusammendrücken ließ.

Obwohl Günter Rochelt so ziemlich alles, was er wollte, erreicht hat, ist sein Ehrgeiz ungebrochen. Zurzeit ist er damit beschäftigt, als erster Obstbrenner der Welt einen Edelbrand herzustellen, der ganz und gar ohne Zugabe von Wasser auskommt. Während bis dato auf 40 Liter Destillat zwei Liter Wasser kommen, um Rochelts Hochkaräter auf einen Alkoholgehalt unter 60 Prozent herunterzubremsen, will er denselben Grad der Trinkbarkeit in Hinkunft durch noch längere Lagerung ohne Wasserzusatz erreichen. Ein Husarenstück, gewiss. Doch eines, das Rochelt durchaus zuzutrauen ist.

Brennerei Rochelt, 6122 Fritzens / Tirol, Innstraße 2
Tel.: 052 24/ 5 24 62
Öffnungszeiten: Mo–Do, 8–16 Uhr, Fr 8–14 Uhr
Info-Link:

www.rochelt.com


Web-Tipp: Christoph Wagner's Weblog:
www.speising.net

25.10.2004 09:52