Verlorene Kinder: Vermisst - Serie Teil 2
- Ungewissheit der Alptraum aller Eltern
- Bis zu 170 Kinder sind täglich als abgängig gemeldet

Ein dramatischer Fall mit makabren Begleitumständen: Die Wiener Kriminalpolizei fahndet seit dem Jahr 2002 nach der Leiche von Thomas Klinger. Der damals 12-Jährige ist tot das gilt als sicher.
Aber seine sterblichen Überreste sind niemals aufgetaucht; nach der Lage des Falles ist auch anzunehmen, dass sie verschwunden bleiben. Aus rechtlichen Gründen wird dennoch im Sinne des Paragrafen 57/1 des Sicherheitspolizeigesetzes abgängiger Jugendlicher, an dem eine Gewalttat vermutet wird weiterhin nach Thomas gesucht. Gefahndet, wie die Kriminalisten sagen mit Steckbrief, Foto und allem Drum und Dran.
Für Roland Horngacher, den Chef der Wiener Kriminaldirektion, gehört der Fall Klinger zu den schrecklichsten Erinnerungen seiner bisherigen Polizeikarriere.
Vermisst ermordet. Thomas Klinger verschwand am 22. November 2002. Spurlos. Wenige Tage später gestand ein Freund der 19-jährige Jürgen B. den Mord an Thomas. Er habe, sagte B. vor der Polizei aus, den Kleinen, der ihn wie einen großen Bruder angehimmelt hatte, vergewaltigt und danach getötet. Die Leiche habe er in einen Müllcontainer geworfen.
Jürgen B. wurde von einem Geschworenengericht rechtskräftig wegen Mordes verurteilt.
Thomas Leiche aber ist bis heute verschwunden. Tagelang hatten Polizisten 900 Tonnen Müll in der Verbrennungsanlage Flötzersteig durchwühlt. Ohne Erfolg: Dem Kleinen, der zeit seines Lebens nur gequält und missbraucht wurde, ist kein Begräbnis vergönnt. Kriminaldirektor Horngacher: Die Fahndung kann trotzdem offiziell erst dann aufgehoben werden, wenn die Leiche gefunden oder das Alter eines durchschnittlichen Menschenlebens überschritten ist.
Opfer von Pädophilen? Unter der Aktenzahl 1 K 160524/04 im Fahndungssystem Ekis der Polizei ist auch Mekiyaze Workneh als abgängiger Jugendlicher eingetragen. Der 16-Jährige ist seit dem Donauinselfest Ende Juni 2004 spurlos verschwunden.
Zunächst ein Routinefall: Zu Sommerbeginn und während jedes Donauinselfests steigt die Zahl der Abgängigen, weiß Gerhard Hageneder vom Kriminalkommissariat West. Während aber die meisten Ausreißer schon nach wenigen Tagen wieder auftauchen, blieb Meki, wie Freunde den aus Äthiopien stammenden und vor vier Jahren zur Mutter nach Wien übersiedelten Buben nennen, verschwunden. Trotz intensivster Polizeifahndung verlaufen alle Spuren im Nichts.
Ich habe Angst, dass Meki in Pädophilenkreise geraten ist, befürchtet Mutter Senait. Für den Kriminalisten Hageneder keine unrealistische Annahme: Junge männliche Ausreißer werden sehr häufig von Pädophilen aufgegabelt. Mekiyazes Schwester, die ihren kleinen Bruder abgöttisch liebt, befürchtet freilich noch Schlimmeres: Sie hofft, dass Meki überhaupt noch am Leben ist. Bis zur Klärung des Falles konzentriert sich die polizeiliche Fahndung auf einen 16-jährigen Knaben mit dunkler Hautfarbe, der sehr gut Deutsch spricht, völliges Desinteresse an der Schule zeigt, der schon im Vorjahr zwei Monate lang verschwunden war und der vor vier Monaten von der Donauinsel nicht mehr heimgekehrt ist.
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