Mittwoch, 27. Oktober 2004

Bush vs. Kerry: Die wichtigste Wahl der Welt ist bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen

  • USA: Angst vor Chaos in der Wahlnacht.
  • Österreich: Daumen halten für Kerry.

USA: Angst vor Chaos in der Wahlnacht. Die Härteschlacht bis zuletzt wird im Endspurt in den Schaukelstaaten entschieden. 20.000 Anwälte von Bush & Kerry bereiten Wahlanfechtungen vor.
Österreich: Daumen halten für Kerry. Die US-Wahl elektrisiert auch hierzulande. Laut NEWS-Umfrage würden nur sieben Prozent Bush wählen.

Die US-Wahlschlacht endet mit der Dramaturgie eines Hollywood-Thrillers. Anfang September lag Bill Clinton noch im Operationssaal des Columbia-Presbyterian-Spitals in Manhattan, wo ihm der renommierte Chirurg Craig R. Smith mit entnommenen Venen vier Umfahrungen für seine verstopften Herzarterien legte. Kaum sieben Wochen danach steht der populäre Expräsident strahlend im tosenden Jubel von 80.000 Fans im „Love Park“, Downtown Philadelphia, um seinen Freund John F. Kerry als Mann der großen Visionen zu preisen. Gezielt verbreitet der Pressestab die „vertrauliche“ Nachricht, dass Clinton alle Sorgen seiner Ärzte vom Tisch gewischt habe: Die Wahl sei „einfach zu wichtig für Amerika und die Welt“, um auf die eigene Gesundheit Rücksicht nehmen zu können.

An der gegenüberliegenden Küste, in Arnold Schwarzeneggers Kalifornien, riskiert der „Gouvernator“ zwar nicht seine Gesundheit, aber immerhin die Harmonie seiner Ehe. Weil er den von seiner Ehefrau wenig geschätzten Bush bei seinen Auftritten in Ohio unterstützt, muss er vorübergehend auf Sex verzichten. Nicht zum ersten Mal sei der politische Disput auf diese Weise eskaliert, plauderte Arnie selbst Szenen seiner Ehe aus. Schon als er Bushs mit einer umjubelten Rede beim Parteitag in New York zur Seite gestanden war, hatte seine dem Kennedy-Clan angehörige Demokraten-Gattin Maria Shriver zwei Wochen den Beischlaf verweigert.

Wahl der Superlative. Die Hilfe politischer und medialer Schwergewichte kennzeichnet das dramatische Finale eines Wahlkampfes, dessen Auswirkungen weit über die Grenzen der 290-Millionen-Supermacht hinaus reichen. Die geschätzten 114 Millionen US-Bürger, die am kommenden Dienstag in über 6.000 Wahlbezirken den Präsidenten küren, schreiben mit ihren Stimmen tatsächlich Geschichte:

  • Als „wichtigste Wahl seit Generationen“ wird dieser Dienstag nicht nur von John F. Kerry, sondern auch von in- und ausländischen Beobachtern bezeichnet.

  • Erstmals seit 1972 befindet sich Amerika während eines Urnengangs im Krieg.

  • Auch ist es, wie Bush immer wieder betont, die erste Wahl seit den Anschlägen des 11. September mit 3.000 Toten.

  • Bush machte sich das im Wahlkampf zunutze, indem er seine Landsleute vor „weiterem Terror“ warnte, sollten sie „die falsche Wahl“ treffen.

  • Auf dem Spiel stehen nicht zuletzt auch entscheidende Werte der westlichen Welt. Unter Bush wurde ein völkerrechtswidriger Krieg geführt, wurden Kriegsgefangene gefoltert, Menschen- und Minderheitenrechte missachtet, demokratische Freiheiten eingeschränkt, Umweltstandards abgebaut, internationale Verträge gebrochen, wurden die Reichsten noch reicher, die Ärmsten noch ärmer.

    Vier weitere Jahre Bush könnten (durch eine Neubesetzung im „Supreme Court“ nach der Krebserkrankung von William Rehnquist) das Rechtssystem verändern und tief greifende gesellschaftliche Veränderungen nach sich ziehen – vom Rollenbild der Frau bis zur Einstellung zur Homosexualität.

  • Nicht zuletzt steht auch Amerikas internationales Image auf dem Spiel. Nicht nur in der demokratischen westlichen Welt stößt Bushs Politik auf entschiedene Ablehnung, wie unter anderem die NEWS-Umfrage in Österreich deutlich macht.

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    27.10.2004 17:07