Höhenflug an der Wiener Börse: In nur zwei Jahren haben sich Kurse verdoppelt!
- Angst vor Crash: Wiederholt sich die Geschichte?
- Osterweiterung & New-Economy-Pleite half dem ATX
Seit Monaten markiert die Wiener Börse einen historischen Höchststand nach dem anderen. In nur zwei Jahren haben sich die Kurse verdoppelt. Doch keine Hausse dauert ewig.
Die Statistik ist beeindruckend. Egal ob über einen Zeitraum von ein, zwei oder drei Jahren - in der Rangliste der besten OECD-Börsen steht stets derselbe Name an der Spitze: Wien. Während der ATX, der die zwanzig liquidesten Titel des Kurszettels umfasst, von seiner Einführung 1991 bis Ende 2002 gerade einmal zwölf Prozent zulegen konnte, schaffte das Börsenbarometer in den 22 Monaten danach fast eine Verdopplung seines Wertes. Von Jänner 2003 weg verbuchten neun der 20 ATX-Aktien dreistellige Kursgewinne, weitere sieben stiegen um über 50 Prozent, und selbst die schlechteste Aktie schaffte mit vier Prozent Plus immer noch mehr Rendite als ein Sparbuch. Der Indexsprung wird freilich von wenigen schwergewichtigen Papieren getragen. So steuerte allein die Aktie der Erste Bank mit ihrem Kurssprung von 110 Prozent seit 2003 rund 250 Punkte zum ATX-Plus von 1.000 Punkten bei.
Was Börsenhypes betrifft, sind die heimischen Anleger jedoch gebrannte Kinder. Schon Mitte der achtziger Jahre sowie 1989/90 verdoppelten sich in Wien in kürzester Zeit die Kurse, doch beide Male folgte unmittelbar darauf der Absturz. Das wird diesmal nicht der Fall sein. Sorgten die explodierenden Kurse damals für extre- me Überbewertungen, die anschließend wieder korrigiert wurden, so ist das Kursplus der vergangenen zwei Jahre der Ausgleich einer massiven Unterbewertung, wie Manfred Zourek, Fondsmanager der Erste-Sparinvest, erklärt: "Wien war einfach nach allen Bewertungskriterien extrem billig."
Die EU-Osterweiterung und die Suche nach soliden Old-Economy-Unternehmen nach dem Platzen der Technologieblase hat schließlich immer mehr internationale Anleger nach Österreich gebracht. Diese Nachfrage, gestützt durch eine sehr börsenfreundliche Regierung, ist die wesentlichste Ursache dafür, dass sich die Bewertung der Austrostocks dem Niveau westlicher Börsen angeglichen hat. Dadurch sind die heimischen Toppapiere aber auch anfälliger für Rückschläge geworden. "Man kann nicht davon ausgehen, dass sich die Überperformance der Wiener Börse gegenüber anderen Märkten weiter fortsetzt", warnt Wolfgang Matejka, Chef der Anlagestrategie der Meinl Bank, "das erreichte Kursniveau ist beachtlich."
Vieles spricht für eine, zumindest kurzfristige, Korrektur. Der Kursaufschwung wurde nämlich von einigen Faktoren getrieben, die nicht dauerhaft wirksam sind. Zunächst fällt das Argument des günstigen Kursniveaus weg. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 sind die Austrostocks ebenso teuer wie die Papiere des vergleichbaren deutschen M-Dax-Index. Die einst so gelobte hohe Dividendenrendite ist durch das hohe Kursniveau ebenfalls gefallen und liegt nun mit 1,7 Prozent sogar unter jener der 30 Dax-Werte in Frankfurt (2,1 Prozent).
Auch das hohe Wachstum der Unternehmensgewinne wird sich so nicht fortsetzen. An der Wiener Börse notieren viele zyklische Unternehmen, deren Erträge bei guter Konjunktur rasch steigen, aber bei schlechterer wirtschaftlicher Lage auch wieder zurückgehen. Zu ihnen zählen so prominente Konzerne wie OMV, Mayr-Melnhof, voestalpine oder Böhler-Uddeholm. Dazu kommt, dass ein Teil der höheren Gewinne 2005 durch die Senkung der Körperschaftsteuer und nicht durch besseren Geschäftsgang erzielt wird.
Doch Wien hat auch einiges auf der Habenseite zu bieten. Vor allem die so genannte Ostphantasie: Viele Unternehmen wie Erste Bank, BA-CA oder Mayr-Melnhof werden in den kommenden Jahren vom höheren Wirtschaftswachstum in den neuen EU-Staaten profitieren. Stabilisierend wirkt auch, dass mehr Banken am Börsenhandel in Wien teilnehmen als früher. Das macht es weniger wahrscheinlich, dass die Austrostocks mit einem Schlag aus den Depots der Großanleger geräumt werden, was in früheren Jahren zu extremen Rückschlägen geführt hat.
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