Freitag, 29. Oktober 2004

Totale Offensive: Sporthändler Eybl setzt die Konkurrenz immer mehr unter Druck

  • Auch in Graz und Innsbruck sollen Megastores kommen
  • Sorge in Wirtschaftskammer: "Kleinen bleibt weniger"

Die Familie Eybl, Marktführer im Sporthandel, setzt die Konkurrenz weiter unter Druck. In Graz und Innsbruck sind neue Megastores geplant. FORMAT weiß alles über die Sport-Offensive von Eybl.

Wenn er von seinem jüngsten "Kind" spricht, dann geht Thomas Krenn, Vorstand der Sport Eybl und Sports Experts AG (EAG), das Herz über: "Der neunte Eybl-Megastore Wien-Nord ist eine Sporterlebniswelt für die ganze Familie und setzt in Sachen Ladenbau, Licht und Technik neue Standards im Sportartikelhandel." Unübersehbares Highlight des vor knapp drei Wochen in Floridsdorf eröffneten Megashops mit 8.000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf vier Ebenen ist der 17 Meter hohe Kletterfelsen. "Keine normale Kletterwand", betont Krenn, "sondern echter Fels, wie aus den Kalkalpen ausgeschnitten."

Vor lauter Staunen über die alpine Landschaft in Transdanubien oder die Kältekammer, in der sie Daunenjacken und sonstige Outdoor-Ausrüstung bei arktischen Temperaturen auf ihre Zweckmäßigkeit testen können, vergessen die Kunden auch nicht aufs Kaufen. "Die Umsätze der ersten Wochen liegen über den Erwartungen. Statt 22 Millionen wird uns der neue Standort 25 bis 28 Millionen Euro Mehrumsatz pro Jahr bringen", prognostiziert Krenn. Dabei kommt die EAG-Gruppe mit ihrem Umsatz von 375 Millionen, den sie mit den drei Vertriebsschienen Eybl-Megastores, Sports Experts und Intersport XL erzielt, schon jetzt auf fast 30 Prozent Marktanteil und ist der größte Player im österreichischen Sportartikelhandel. Der Mitbewerber, der ähnliche Geschäfte und Betriebstypen aufweist, ist Hervis. Die Spar-Tochter macht als Nummer zwei der Sportartikelbranche 270 Millionen Euro Umsatz.

Marktführer Eybl will die Konkurrenz in Zukunft noch stärker in die Zange nehmen. So gut wie fix ist die Eröffnung von zwei weiteren Megastores: In Graz will Krenn damit Lokalmatador Kastner & Öhler (Gigasport) auf dessen eigenem Terrain Marktanteile abjagen, Innsbruck ist wegen der hohen Pro-Kopf-Ausgaben der Westösterreicher für Sportartikel besonders interessant.

Weitere Expansionsgelüste
Ebenfalls auf Expansionskurs fährt die zweite Markenlinie der EAG, der preisaggressive Fachmarkt Sports Experts. Der kommt dort zum Einsatz, wo der Markt für einen Megastore zu klein ist. Im Herbst wird ein Shop in Wels aufgesperrt, weitere fünf Standorte sollen in den nächsten Jahren gebaut werden.
"Den kleineren Händlern bleibt vom Kuchen immer weniger", konstatiert Fritz Aichinger, Obmann der Sparte Handel in der Wiener Wirtschaftskammer und selbst Sportartikelhändler in der Landstraßer Hauptstraße, "speziell in Wien ist der Markt überbesetzt und total ausgereizt." Die Flächenexpansion von Eybl heizt den Verdrängungswettbewerb an. Betroffen davon sind nicht nur die drei großen Mitbewerber Hervis, Gigasport und die Sport-2000-Gruppe, eine Einkaufsgenossenschaft selbständiger Sportartikelhändler, sondern auch die eigene Intersport-Familie. Die EAG ist nämlich nicht nur Marktführer, sondern auch das mit Abstand größte Mitglied der Intersport-Österreich-Genossenschaft: Auf ihr Konto gehen rund zwei Drittel des gesamten Intersport-Umsatzes von 575 Millionen Euro - und das mit nur 47 von insgesamt 252 Standorten.

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29.10.2004 22:21