Montag, 25. Oktober 2004

VA Tech - Böhler-Chef Raidl: "Vor General Electric müssen sie sich mehr fürchten"

  • Trauert Siemens nach: "Wäre ein Segen gewesen"
  • VA Tech ist "ein zusammengestoppelter Betrieb"

Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl trauert einem Einstieg von Siemens bei der VA Tech nach und rügt dabei einmal mehr die staatliche Industrieholding ÖIAG, die knapp 15 Prozent an Österreichs größtem Technologiekonzern hält. Im Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) prophezeit der wirtschaftspolitische Berater von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), "dass die VA Tech in fünf Jahren nicht mehr in dieser Form bestehen wird". VA Tech sein "kein gewachsener, sondern ein zusammengestoppelter Betrieb". Ein Einstieg von Siemens "wäre ein Segen gewesen".

"Vor General Electric müssen sie sich mehr fürchten als vor Siemens", meint Raidl. "Zu Siemens werden sie vielleicht noch einmal auf Knien hinrutschen." Die ÖIAG, die für ihren Restanteil an VA Tech einen Privatisierungsauftrag bis 2006 hat, sollte nach den Worten des Böhler-Uddeholm-Chefs "dafür Sorge tragen, dass die VA Tech sichere Aktionäre bekommt". Raidl: "Das hat sie bis jetzt nicht gemacht. Sie hat die Kompetenz bei der Diskussion um einen möglichen Siemens-Einstieg dem Vorstand überlassen. Das war falsch."

Semperit ist kein vergleichbarer Fall
Auf die Frage, was die ÖIAG nun tun sollte, sagt der Böhler-Uddeholm-General, der als vehementer Privatisierungsbefürworter gilt: "Sie sollte erklären, wie die Zukunft der VA Tech aussehen soll. Wenn Standort und Arbeit passen, wird auch ein deutscher Eigentümer (wie Siemens, Anm.) nicht zusperren." Den Einwand, auch Semperit sei nach der Übernahme zugesperrt worden, lässt Raidl nicht gelten: "Ohne Conti hätte Semperit früher zusperren müssen."

Sanierung des Übernahmerechts
Zur Causa Böhler-Uddeholm (die Übernahmekommission prüft, ob nach dem Ausstieg der ÖIAG der einzige verbliebene österreichische Kernaktionär, die bereits seit zwei Jahren mit einer Sperrminorität beteiligte Fries-Gruppe, nun die Kontrolle hat und ein Pflichtoffert legen muss) sagt Raidl: "Hier geht es nicht um Böhler-Uddeholm, sondern um eine Sanierung des Übernahmerechts. Wir sind nur der erste Fall."

Wird österreichischer Kernaktionär vertrieben?
Die Grundidee, Kleinaktionäre zu schützen, sei gut. Raidl zufolge soll es auch so bleiben, dass bei einem Kontrollwechsel und bei Überschreiten der 30 Prozent-Anteilsgrenze - wie im Übernahmegesetz festgeschrieben - eine Angebotspflicht besteht. "Aber zu vieles wurde per Verordnungsweg geregelt, auch so genannte Vermutungstatbestände", kritisiert Raidl. Und: "Die gehören weg."

Für den Fall, dass die Fries-Gruppe von der Übernahmekommission zu einem Angebot an alle Böhler-Aktionäre verpflichtet wird, befürchtet Raidl, "dass die Gruppe dann aussteigt und ein österreichischer Kernaktionär vertrieben wird". (apa)

25.10.2004 13:49